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Ökolonomie

 H.Johannes Wallmann INTEGRALE MODERNE - Kapitel 4: Ökolonomie (Ausschnitt)

 

4.1 Ökolonomie - ein Überbegriff

Ökologie und Ökonomie. Ebenso wenig wie die Integrale Moderne ohne eine integrale Entwicklung von Kultur und Demokratie Wirklichkeit werden kann, ebenso wenig kann sie ohne eine integral orientierte wirtschaftliche Basis funktionieren. Die Wirtschaft einer Integralen Moderne wird daher nach anderen als den Prämissen der Prämoderne organisiert sein müssen und bedarf – ebenso wie Kultur, Demokratie und Sozialmanagement – eines teleonomisch fittesten integralen Ansatzes.

Mit teleonomisch geht es um „Strukturen, Leistungen und Tätigkeiten, die zum Erfolg eines (biologischen) 
Projektes beitragen." Hier des "Projektes" Mensch. (nach Manfred Eigen/Ruthild Winkler)

Weil angesichts der evolutiv neuen Situation die ökonomischen Austauschkreisläufe letztlich niemals getrennt von den ökologischen agieren können, müssen die ökonomischen ganz bewusst auf die ökologischen abgestimmt sein. Als Grundbegriff für die Wirtschaft einer Integralen Moderne, mit der der ökonomische auf den ökologischen Kreislauf abgestimmt wird und beide als sich gegenseitig bedingend praktiziert werden, schlage ich das Wort Ökolonomie vor. Obwohl dieser Begriff, der auf die Anpassung der Austauschkreisläufe der Ökonomie an die der Ökologie zielt, etymologisch nicht sonderlich glücklich ist, gehe ich davon aus, dass dieser Mangel durch seine gute inhaltliche Erkennbarkeit ausgeglichen wird.

Die evolutiv neue Situation der Moderne definiert sich aufgrund der modernen Technologien, die tief in kleinste Teilchen und damit 
in große langfristige Lebens- und Verantwortungszusammenhänge eingreifen. Diese technologisch machbaren Manipulationen an kleinsten
Teilchen - z.B. an Atomen, Genen, Ozon aber auch hinsichtlich von Daten und Informationstechnologien - betreffen die Welt als Ganzes
sowie die Zukunft menschlichen Lebens überhaupt. Noch nie in den Jahrmillionen ihrer Evolution konnte die Menschheit so tief in das 
Selbstorganisationssystem des Lebens und den Organismus der Lebenszusammenhänge eingreifen und noch nie hatten wir Menschen daher  
mit unserem eigenen Denken, Empfinden und Handeln eine so umfassende Verantwortung für die Zukunft des Lebens hier auf der Erde 
zu übernehmen, wie das nun angesichts der Moderne und ihrer evolutiv neuen Situation notwendig geworden ist. Das mit der Moderne 
verbundene Katastrophenpotential bildet  für die Entwicklung der menschlichen Intelligenz (und ihres Synthesevermögens) eine 
geradezu wahnwitzige Herausforderung.

Die Macht der Natur. Da der ökologische Austauschkreislauf letztlich wesentlich stärker als der ökonomische ist, kann eine Harmonisierung dieser beiden Kreisläufe im Grunde nur durch die Anpassung des ökonomischen an den ökologischen erreicht werden. Denn bringt der ökonomische Kreislauf den ökologischen aus dem Gleichgewicht, so hat letzterer die Kraft zu solch einem Gegenschlag, dass die Menschheit – z.B. indem sehr viel Wasser kommt – samt ihrer prämodernen ökonomischen Strukturen völlig vernichtet werden könnte.

War die Menschheit bereits vor tausenden von Jahren schon einmal an diesem Punkt angelangt? Wenn die Geschichte von der Arche Noah nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, könnte sie als ein Hinweis darauf gewertet werden. Denn man muss sich einmal klar werden, dass diese Arche mit den vielen unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten nur funktioniert haben kann, wenn sie von gigantischem Ausmaß und mit modernster Logistik ausgerüstet war.

Wenn die Menschheit Zukunft haben und dauerhaft überleben will, sind alle vom Menschen geschaffenen Funktionen, Formen und Strukturen 
(auch z.B. Politik, Demokratie, Kultur, Ökonomie, Technologien, Philosophien, Religionen, Wissenschaften, Künste) darauf zu befragen, 
inwiefern sie sich gegenüber der Evolution und dem Ökosystem Erde als teleonomisch fittest erweisen.

Ökologisches Verhalten liegt angesichts möglicher großer Katastrophen also nicht in erster Linie im Interesse der Natur, sondern in dem des Menschen. Es gilt für uns deshalb Strategien und Methoden zu entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch als nachhaltig gelten können. Und da eine intakte Ökologie und eine intakte Ökonomie sich auf Dauer gegenseitig bedingen, sollten keine Anstrengungen gescheut werden, alle vom Menschen geschaffenen Formen und Funktionen unter ökolonomischen Prämissen zu produzieren.

Die Problematik billigen aber organismisch unverträglichen Wirtschaftens wurde – zumindest was die Ernährungsindustrie betrifft – nach der BSE-Krise auch von breiten Bevölkerungsschichten erkannt. Nach weiteren kleineren und größeren Katastrophen wird sich sowohl bei der Ernährungsindustrie als auch bei der Bevölkerung früher oder später die Einsicht durchsetzen, dass es klüger ist, vorausschauend und nachhaltig in ökolonomische Systeme zu investieren als in die Produktion von ökologisch bedenklichen Billigwaren. Anstatt also jährlich viele hunderte Milliarden Dollar in die Killer unseres ökologischen Überlebens und in die Erzeugung von Begehrlichkeiten zu investieren, sollten diese Milliarden in die Kontrolle und Bewerbung ökologisch einwandfreier Waren und entsprechend ökolonomischer Austauschkreisläufe investiert werden.

4.2 Austauschkreisläufe

Allgemeines. Für die Erhaltung eines Selbstorganisationssystems kommt es nicht in erster Linie auf Wachstum an, sondern auf ein organismisch ausgewogenes Funktionieren seiner Austauschkreisläufe, das an sich einen hohen Wert darstellt. Ein dynamisches Selbstorganisationssystem bedarf – um die mit ihm verbundenen Austauschkreisläufe in Gang zu halten – allerdings bestimmter konkurrierender Eigenschaften. Diese bilden sozusagen die energetische Grundlage, auf der die Austauschkreisläufe so in Gang zu halten sind, dass beim Austausch der unterschiedlichsten Energieformen Synergien – und damit auch Mehrwerte – entstehen. Notwendig ist auch der „Wind der Veränderung“, der mit der Wahrnehmung und Lösung der jeweiligen Probleme einhergeht und den Verfestigungen von falschen Gewohnheiten und falschen Strukturen entgegenwirkt.

Floriert Wirtschaft nicht, dann sind dafür eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich. Es kann einerseits die Blockade sein, die durch den quantitativ orientierten Wirtschaftswachstumsirrtum ausgelöst wird, es kann eine unzureichende Austarierung der Austauschkreisläufe oder der fehlende Wind der Veränderung sein (der falsche Gewohnheiten und falsche Strukturen hinwegfegen müsste) oder es kann ein Missmanagement betreffs der zu erzielenden Synergien sein. Doch nicht die Verantwortlichen der Wirtschaft, sondern die des Gemeinwesens haben die Weichen dafür zu stellen, dass solche Blockaden beseitigt und die Austauschkreisläufe ökolonomisch austariert werden.

Da angesichts der evolutiv neuen Situation alle ökonomischen, sozialen und kulturellen Austauschkreisläufe prinzipiell nur insofern Sinn machen, wie durch sie die allgemeinen Lebensgrundlagen und das Ökosystem langfristig nicht geschädigt werden, führen Wirtschaft, Demokratie und Kultur erst in dem Maße zu Gleichgewicht und Stabilität, wie sie ökolonomisch agieren und den ökologischen Austauschkreisläufen fittest angepasst sind. Wirtschaften bedeutet insofern die effektive synergetische und ökolonomische Organisation von wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Austauschkreisläufen.

Wird der wirtschaftliche Austausch stattdessen vereinseitigt und erfolgt er ohne Rücksicht auf die ökologischen, sozialen und kulturellen Kreisläufe, dann bricht er früher oder später nicht nur selbst zusammen, sondern läuft – angesichts der evolutiv neuen Situation – letztlich auf die Falsifizierung des menschlichen Lebens hinaus.

ÖkolonomieSteigerung unseres Energiereservoirs. Für die Zukunft ist anstatt eines quantitativen Wachstums ein qualitatives Wachstum notwendig. (Etwa so, wie ein erwachsener Mensch nicht mehr wächst, aber noch klüger oder gar weise werden kann.) Daher gilt es für die Zukunft nicht nur die ökonomisch relevanten, sondern auch die ökologisch, demokratisch, kulturell und sozial relevanten Energien und Strukturen reell und integral zu berechnen.

Würden solche Berechnungen schon heute reell und integral betrieben, dann würde die überaus problematische gegenwärtige Situation deutlich; insbesonders dann, wenn sie sich ökonomisch als vorteilhaft darstellt, resultiert sie in der Regel aus Vereinseitigungen sowie dem Verschleiß unserer Ressourcen und Lebensgrundlagen. Dagegen könnten die mit einer reellen und integralen Berechnung verbundenen teleonomisch fittesten Erkenntnisse zahlreiche Veränderungen von Strukturen und Tätigkeiten nach sich ziehen, wodurch eine immense Steigerung unseres Energiereservoirs sowie eine Regenerierung der Austauschkreisläufe bewirkt werden könnte.

Bisher allerdings wird Wirtschaft meist so herkömmlich einseitig materialistisch und ökonomistisch gedacht und praktiziert, dass der Blick für die Notwendigkeit einer solchen reellen und integralen Gesamtberechnung der Energien und Ressourcen erst noch frei werden muss. Gelänge der westlichen Welt aber im umfassenden Sinne eine ökolonomische Wirtschaftsführung sowie ein daraus resultierendes qualitatives Wachstum in ökologischer, demokratischer, kultureller und sozialer Hinsicht, dann könnte das für entsprechende Entwicklungen in allen Ländern der Erde zu einem anstrebenswerten Beispiel werden.

4.3 Energien

Die Akquise und Regeneration von Energien – als physische bzw. psychische Bestandteile von Reichtum – bildet die Grundbedingung für die Erhaltung und Ausweitung aller Lebensqualitäten. Buckminster Fuller schreibt dazu: Wenn wir nur von unserem energetischen Sparkonto leben, indem wir die fossilen Brennstoffe verfeuern, in denen die Sonnenenergie von Milliarden Jahren gespeichert ist, … dann zeugt das von todbringender Ignoranz, und es ist in höchstem Maße unverantwortlich gegenüber kommenden Generationen und ihrer Zukunft. Unsere Kinder und deren Kinder sind unser aller Zukunft. Wenn wir unsere potentielle Fähigkeit zur fortwährenden Erhaltung allen Lebens nicht umfassend begreifen und Gebrauch von ihr machen, sind wir kosmisch bankrott. … Die Wissenschaftler formulierten eine neue Beschreibung des Universums und nannten sie das neue Gesetz von der Erhaltung der Energie, wonach Energie weder geschaffen noch verloren gehen kann. Energie bleibt nicht nur erhalten, sie ist auch begrenzt und bildet ein geschlossenes System. … Alles in allem kommen wir zu dem Ergebnis, dass der physische Bestandteil von Reichtum – Energie – nicht abnehmen kann und dass der metaphysische Bestandteil – Know-how – nur zunehmen kann.“1 Das heißt, dass wir immer dann, wenn wir Know-how einsetzen, zur Akquise und Regeneration von Energie beitragen können.

Unangepasstes Energiemanagement. Da unser gegenwärtiges energetisches Gesamtsystem durch sein ökologisch unangepasstes Energiemanagement mehr Energie verbraucht, als es selbst reproduzieren kann, befindet es sich in einer mehr oder minder schnell voranschreitenden Phase der entropischen Verflüchtigung und Auflösung; es wird energetisch wie strukturell mehr und mehr zu einem ausgelaugten Leichnam, dessen Leichengift unseren Planeten in rasanter Weise zu vergiften droht. Da schon heute immer gravierendere Klimaprobleme entstehen und die von den wenigen Generationen des 20./21. Jahrhunderts verursachten Risiken für alle kommende Generationen sprunghaft angewachsen sind, müssen wir möglichst schnell zu einem ökolonomischen Energiemanagement gelangen. Auch unser Know-how gilt es unter integralen und ökolonomischen Gesichtspunkten zu akquirieren. Nur so wird es möglich, zwischen den unterschiedlichen Bereichen jene Synergien zu erzeugen, die das Ziel eines teleonomisch fittesten Einsatzes von Energie sein müssen.

Integrales Energiemanagement. Ausgehend von dem energetischen Charakter aller Formen und Strukturen müsste mit einem neuen integralen ökolonomischen Energiegesamtsystem realisiert werden, dass die Akquise und Regeneration von Energien sich nicht allein auf Strom, Öl, Kohle, Gas etc. beziehen kann, sondern dass sie ebenso die Steigerung der Qualität von Know-how, Erkenntnissen, Ideen, und Informationen, aber auch die Steigerung der Qualität von Nahrung, Luft, Wasser und des Ökosystems sowie aller vom Menschen geschaffenen Formen und Funktionen zum Gegenstand haben muss. Durch den Einsatz von teleonomisch fittestem Know how kann der Bedarf an Energie nicht nur deutlich gesenkt, sondern auch deren Erschließung regenerativ und organismisch kompatibel gestaltet werden.

Da auch Ideen, Informationen, Erkenntnisse und Know-how Energieformen sind, bedeutet die Steigerung ihrer Qualität eine Steigerung der o.g. Energieressourcen selbst. Deshalb sind auch die kulturellen Struktursysteme als ein Teil der uns zur Verfügung stehenden allgemeinen Energiemenge zu betrachten. Zumal ihre Qualität die Gemüter konfiguriert, motivieren sie zum richtigen oder falschen Einsatz von Energien. Aus diesem Grund reicht die Frage der Energieressourcen sowie der Entwicklung ökolonomischer Austauschkreisläufe bis hin zur Frage der Qualität unseres gesamten Kultur- und Demokratiesystems.

In regenerative Energien investieren. Natürlich ist es in erster Linie notwendig, unseren Planeten nicht noch weiter durch ein schlechtes Energiemanagement zu vergiften. Daher bedarf es zunächst hoher Investitionen in alle regenerativen Energien. Ein integrales Energiemanagement könnte dabei von der Vielfalt der Methoden der Energieerschließung lernen, die die Unterschiedlichkeit der Organismen unseres Ökosystems bereithält.

Die Existenz der großen Artenvielfalt an Pflanzen, Mikroorganismen, Insekten und Tieren – und ihrer jeweiligen ökologischen Nischen – ist ein Beleg für die vielfältigen Möglichkeiten der Erschließung und Regeneration von Energie (womit sich ein weitaus intelligenteres Energiekonzept als unser zivilisatorisch quasi „monokulturelles“ verdeutlicht). Sie bildet ein sehr differenziertes und dichtes Netz des Austausches und der Nutzung von Energie. In der Entwicklung vergleichbarer ökolonomischer Technologien dürfte ein großes Potential liegen. Und hier wären Forschungs- und Entwicklungsgelder mit Sicherheit besser investiert als in die herkömmlichen Einbahnstraßen der „monokulturellen“ Erschließung von Energie. Ziel dieser Investitionen sollte sein, organismisch kompatible und dauerhaft regenerierbare Energiequellen zu erschließen. Da bereits zahlreiche Ansätze und Alternativen zu den herkömmlichen Energiekonzepten bestehen, sollten diese entsprechend stringent erforscht und unter ökolonomischen Kriterien entwickelt werden.

Werden die notwendigen Investitionen in neue integrale Energiekonzepte sowie in unser aller Zukunft nur deshalb halbherzig betrieben oder gänzlich gescheut, weil die Verantwortlichen aufgrund ihres kurzsichtigen Denkens es billiger finden, auf die alte Weise weiterzumachen und unseren Planeten zu vergiften, anstatt ihn als regenerierungsfähiges Lebewesen zu betrachten? Der größte Energieverschleiß, mit dem die Menschheit den Kampf aufnehmen muss, ist die Ignoranz und Ichsucht. Ihnen dürfte erst mit staatlichen Vorgaben (äußerem Zwang), besser aber mit integralen kulturellen Qualitäten (und folglich innerer Einsicht und Erkenntnis) beizukommen sein.

Preis ohne Problemignoranz berechnen. Wenn das ignorante Verhalten gegenüber den ökologischen, sozialen und kulturellen Problemen aufgegeben wird, so wird erkennbar, dass ökologisch verträgliche integrale Lösungen des Energiemanagements entwickelt werden können. Selbst in dem Fall, dass diese Lösungen wesentlich teurer sein sollten als die herkömmliche Energiegewinnung (was bei einem reell berechneten Vergleich aber noch die Frage wäre), läge in ihnen der große Gewinn, weil sie für die langfristige Erhaltung des Lebens auf der Erde unverzichtbar sind. Wir werden allerdings keine einzige Form von Energie akquirieren, regenerieren oder transferieren können, ohne dafür einen angemessenen Preis zu entrichten. Entscheidend ist aber, dass dieser Preis ökolonomisch – d.h. letztlich ohne Problemignoranz – berechnet wird. Denn Problemignoranz führt nicht nur zu falschen Berechnungen, sondern auch zur Verfestigung falscher Strukturen und damit dazu, dass die Lösung des Problems nicht nur hinausgeschoben, sondern immer teurer wird.

4.4 Ökolonomische Preisbildung und Ökolonomie als Wirtschaftsmotor

Der Unterschied zwischen der ökolonomischen und ökonomischen Preisbildung liegt darin, dass die ökolonomische an den integralen Grundwerten (s.a. Kapitel 7.5) und der organismischen Regenerierung ausgerichtet ist, während die ökonomische allein den Mehrwert im Auge hat und den Verschleiß der Lebensgrundlagen ignoriert. Durch Ökolonomie können sich zahlreiche neue Methoden entwickeln, Energieressourcen schonend, vorausschauend und nachhaltig zu erschließen. Dagegen muss die Fortführung der Wirtschaft unter rein ökonomischen Gesichtspunkten langfristig gesehen als völlig unökonomisch und als reiner Selbstmord gelten.

Neue Effekte und neue Methoden. Für eine reelle Ermittlung des Verhältnisses von Preis und Leistung ist es wichtig, dass die Kosten für die ökologische Kompatibilität eines Produktes in vollem Umfang in seinem Preis enthalten sind, inklusive der Kosten, die die Rückführung eines Produktes in den ökologischen Kreislauf und dessen Regeneration verursacht. Gerade weil diese Kosten den Preis in die Höhe treiben, bringen sie möglicherweise neue Effekte und neue Methoden nachhaltiger Produktgestaltung mit sich. So wären z.B. Produkte von einer langen Haltbarkeitsdauer entsprechend höher zu bewerten, wenn sie als ökologisch kompatibel und als kulturell integral einzustufen sind. Ökologisch schädliche Produkte mit hohen organismischen Regenerationskosten werden -wie billig sie gegenwärtig durch falsche Berechnungsgrundlagen auch noch immer sein sollten – dann entsprechend teuer sein. Die ökolonomische Berechnung und Preisbildung muss stets gewährleisten, dass der Druck auf Preis und Leistung nicht zum Druck auf das ökologische, soziale und kulturelle Gleichgewicht wird. Folglich muss der Druck auf Preis und Leistung die Wahrung des ökologischen, sozialen und kulturellen Gleichgewichtes zum Ziel haben. Zugleich muss die Preisbildung das Bewusstsein für die Begrenztheit der Ressourcen zum Ausdruck bringen. Da der eigentliche Wert eines Produktes in der Erhaltung der mit ihm verbundenen Austauschkreisläufe zu sehen ist, werden für die ökolonomische Praxis erhebliche Investitionen in die Erforschung der Austauschkreisläufe selbst notwendig werden. Denn um sie vor irreparablen Schädigungen schützen zu können, müssen die Funktionsweisen der Austauschkreisläufe umfassend verstanden sein.

Das Bewusstsein für die Begrenztheit der Ressourcen und die mögliche irreparable Schädigung der Austauschkreisläufe zwingt also dazu, die Produkte unter integralen und ökolonomischen Gesichtspunkten zu produzieren. D.h., dass Produkte, die nicht zur Gewährleistung organismischer Austauschkreisläufe und Lebensgrundlagen, nicht zur Erfüllung der Integralfunktion, nicht zur Steigerung integraler Intelligenz, nicht zu einer besseren kulturellen Qualität, nicht zu einer Verbesserung der Gattungssolidarität beitragen, entsprechend teuer sein müssten.

Für den Käufer sollte schon heute einsichtig gemacht werden, aus welchen einzelnen Faktoren sich der Preis eines Produktes zusammensetzt. Es wäre denkbar, ein Rating der einzelnen Produkte vorzunehmen, nach dem diese nach ökolonomischen, sozialen, kulturellen und weiteren Gesichtspunkten bewertet werden. Produkte, die aufgrund ökolonomischer Austauschkreisläufe produziert werden, müssten entsprechend hoch bewertet werden. Und weil sie in einer Übergangsphase „teurer“ produziert werden als Billigprodukte, sollten den Käufern (z.B. steuerliche) Bonuspunkte zugeschrieben werden, wenn sie ökolonomische Produkte kaufen, so dass sie diese letztlich insgesamt kostengünstiger erwerben, als wenn sie auf Billigprodukte mit ökolonomisch schlechten Bewertungen zugreifen. Das dürfte sich angesichts der evolutiv neuen Situation letztlich „rechnen“.

Globale ökolonomische Grundbedingungen. Um ökolonomisches Wirtschaften durchzusetzen, wären außer solchen Ratings weltweit gültige ökolonomische Grundbedingungen zu formulieren. Kontrollsysteme hätten zu gewährleisten, dass alle wirtschaftlichen Unternehmen diese erfüllen und dass jeder Staat gegenüber der Weltgemeinschaft auf seinem Territorium die Verantwortung für ihre Einhaltung übernimmt. Nur wenn es die global gültigen ökolonomischen Grundbedingungen erfüllt, sollte ein wirtschaftliches Unternehmen seinen Betrieb aufnehmen können, und nur wenn er in der Lage und willens ist, ihre Einhaltung zu überwachen und zu garantieren, darf ein Staat weltpolitische Akzeptanz erhalten.

Im Sinne des ökolonomischen Prinzips werden auch hier Systeme der Fehlererkennung geschaffen werden müssen, die keine ökolonomisch falschen Produkte durchgehen lassen. Da ökolonomische Grundbedingungen den Interessen der gesamten Weltbevölkerung entsprechen, wären günstige Kreditvergaben zur Einrichtung ökolonomischer Produktionsweisen zugleich ein hervorragendes Instrument, diese durchzusetzen. Das würde dafür sorgen, dass wir nicht länger Zinsen in falscher Richtung zahlen, wie Buckminster Fuller es nennt.

Transparenz statt Dirigismus. Gegen die o.g. Überlegungen sowie eine ökolonomische Preisbildung wird bestimmt der Vorwurf ins Feld geführt werden, dass zu deren Umsetzung viele dirigistische Maßnahmen erforderlich sind. Obwohl dies zunächst tatsächlich der Fall zu sein scheint, geht es im Grunde keineswegs um Dirigismus, sondern um Transparenz. Indem wir Transparenz herstellen, können wir erkennen, welche Strukturen, Methoden und Produkte in welchem Maße zur Falsifizierung der Lebensgrundlagen beitragen und welche anderen unseren selektiven Vorteil sowie die integrale Entwicklung der menschlichen Intelligenz stabilisieren. Zudem werden durch die – mit dieser Transparenz und ökolonomischen Preisbildung einhergehende – Harmonisierung der unterschiedlichen Austauschkreisläufe zugleich mindestens ebenso viele andere Vorschriften entfallen bzw. in den ökolonomischen Grundbedingungen aufgehoben sein.

Letztlich geht es mit allen ökolonomischen Maßnahmen darum, den gegenwärtig herrschenden falschen Dirigismus abzubauen. Denn dieser diktiert uns den gegenwärtigen Raubbau an unserem Öko- und Kultursystem und bildet eine Barriere sowohl für die ökolonomische Qualität aller Produkte als auch für die integrale Entwicklung der menschlichen Intelligenz. Dieser gegenwärtig herrschende falsche Dirigismus diktiert die sogenannten Weltmarktpreise, sanktioniert die Verelendung der Dritten Welt und läuft dabei mit einem beängstigenden logistischen Perfektionismus ab, der auch immer mehr Menschen der „Ersten Welt“ aus den Austauschkreisläufen ausschließt. Er ist dafür verantwortlich, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht und die Austauschkreisläufe einerseits an Übersättigung und andererseits an Verarmung zusammenzubrechen drohen. Wenn sich die Gesellschaft der Menschen aber um Transparenz der Preisbildung aller Produkte bemüht und diese einem strengen ökolonomischen Reglement unterwirft, wird sie die Austauschkreisläufe allmählich von diesem falschen Dirigismus lösen können und eine Entwicklung in Gang setzen, die die Austauschkreisläufe gesunden lässt und für alle Menschen von Vorteil sein wird.

„Es wäre gut, wenn wir die Rechts- und Wirtschaftsbegriffe, die wir gern einander gegenüberstellen 
– Freiheit und Verpflichtung; Freigebigkeit, Großzügigkeit, Verschwendung einerseits und Ersparnis, 
Interesse, Nützlichkeit andererseits – wieder einmal einer Prüfung unterziehen.“ (Marcel
Mauss, „Die Gabe“)

Die Stabilität eines Gesamtsystems liegt daher – wie die seiner Währung – zuallererst in der Frage, ob die Grundwerte teleonomisch fittest gesetzt sind und ob das Management des Vergleichs- und Umrechnungsinstrumentes Geld darauf strukturiert ist, die Umsetzung der Grundwerte zahlenmäßig angemessen auszudrücken. Für Stabilität kommt es also darauf an, dass die Preisbildung (ebenso wie die Überwachung der Lizenzverträge) effektiv an die Realisierung der integralen Grundwerte und ihrer ökolonomischen Austauschkreisläufe gebunden ist. Die Stabilität einer Währung entscheidet sich aber auch an der Transparenz ihres Umrechnungs- und Tauschwertes sowie nicht zuletzt daran, inwieweit die Mitglieder einer Währungs-Gemeinschaft an die Richtigkeit der Berechnungsgrundlagen sowie an die Seriosität des sie betreffenden Managements glauben können.

Zwei unterschiedliche Konten. Durch den Umrechnungs- und Tauschwert Geld können mittels Bankkonten sozusagen Wertreservoire geleisteter Arbeit und ihrer synergetischen Mehrwertbildung angelegt werden; diese Konten können in beträchtliche Höhen wachsen. Einzelne Personen oder ganze Aufsichtsräte entscheiden, was mit diesen gesammelten Geldwerten geschieht, wie sie eingesetzt und angelegt werden. Wenn wir aber davon ausgehen, dass auch Geld dem Lizenzcharakter unterliegt, dann besteht keinerlei Recht dazu, Geld allein um seiner eigenen Vermehrung willen einzusetzen. Wie in Bezug auf alle anderen Ressourcen muss die Lizenz für die Nutzung der Ressource Geld daran gebunden sein, sie im Sinne der Integralfunktion und damit zur Unterstützung des Selbstorganisationssystem Leben sowie zur Sicherung seiner Austauschreisläufe einzusetzen. Nur so kann Geld nachhaltige Synergieeffekte bewirken.

Wir haben aber noch völlig andere Konten gesammelter Werte, die bisher nicht in die Berechnungen einfließen: die ungenutzten Ressourcen an Intelligenz, Erkenntnis, Wissen und Know how. Allerdings besteht angesichts des gegenwärtigen Bewertungs- und Berechnungssystems (und seiner egozentrischen Ausrichtung auf die Vermehrung des Geldes um des Geldes willen) die Schwierigkeit darin, diese ungenutzten Ressourcen als solche überhaupt zu sichten und in Geldeswert auszudrücken. Genau aber erst dadurch, dass sie gesichtet und als solche in die Berechnungen aufgenommen werden, ist das Problem zu lösen. In einem weiteren Schritt wäre vorausschauend (und visionär) zu prognostizieren, welche Synergieeffekte durch diese Ressourcen auf Grundlage welcher Voraussetzungen zu erzielen wären. Darüber hinaus wären die notwendigen Ressourcen dafür einzusetzen, um damit Voraussetzungen zu schaffen, diese ungenutzten Konten – mit Hilfe bestehender oder neu zu entwickelnder Strukturen – für die Gesellschaft möglichst effektiv zu erschließen.

Erst durch eine solche oder ähnliche Methodik sowie durch eine grundsätzliche Einbeziehung aller ungenutzten Ressourcen-Konten in die Berechnungen verschafft sich die Gesellschaft ein reelles Bewusstsein für die in ihr schlummernden Potentiale, die sie im integralen Sinne zur Erweiterung ihres (wirklichen) Reichtums – und damit der allgemeinen Lebensqualität – begreifen kann. Weil nicht Geld, sondern Intelligenz, Erkenntnis, Wissen und Know how den eigentlichen Reichtum einer Gesellschaft ausmachen und auch der Besitz von Geld einen – der Integralfunktion verpflichteten – Lizenzcharakter trägt, ist es bindend, die Geld-Ressourcen für die Nutzung der Ressourcen an Intelligenz, Erkenntnis, Wissen und Know how einzusetzen. D.h., Geld sollte prinzipiell als ein Hebel zur Erschließung aller Ressourcen und der aus ihnen hervorgehenden Potentiale verstanden werden, die zur Einlösung der Integralfunktion sowie zur Bewältigung der mit der evolutiv neuen Situation einhergehenden Krisis beitragen können.

Regenerierung anstatt Ruinierung. Das gegenwärtige Bewertungs- und Berechnungssystem funktioniert allerdings völlig anders. Mit seinen Preisbildungen und schlecht formulierten „Lizenzverträgen“ ist es insbesonders deshalb ruinös, weil es trotz der evolutiv neuen Situation von ökolonomischen Austauschkreisläufen und integralen Grundwerten getrennt agiert. Da es weder die vorhandenen Material- und Geld-Ressourcen, noch den Einsatz von Intelligenz und Know how, noch den Einsatz von Zeit reell und einheitlich berechnet, verhindert es, dass deren Wert erkannt und angemessenen finanziell beziffert wird. Folglich drückt das geltende Werte- und Berechnungssystem nicht die Regenerierung, sondern die Ruinierung der organismischen Lebensgrundlagen, nicht die Kommunikation, sondern die Verdrängung der integralen Grundwerte, nicht die integrale Entwicklung der menschlichen Intelligenz und die Nutzung der entsprechenden Potentiale, sondern deren Vernachlässigung aus. Es entwickelt dadurch Eigenschaften, die – aufgrund dieser Ignoranz – angesichts der evolutiv neuen Situation zunehmend auf die Falsifizierung der gesamten Lebensgrundlagen hinauslaufen.

Auf Fakten und Erkenntnisse gründen. Für die Wahrung der Lebensgrundlagen kommt es also zum ersten auf die richtige Setzung und Kommunikation der integralen Grundwerte an. Zum zweiten gilt es dem Management des Umrechnungs- und Vergleichsinstrumentes Geld die teleonomisch fittesten Strukturen zugrunde zu legen, um dadurch eine einheitliche, reelle sowie Stabilität bildende Berechnung der vorhandenen Ressourcen und ihrer Austauschprozesse zu bewirken. Zum dritten ist es unverzichtbar, die vorhandenen Potentiale an Intelligenz und Know how integral zu berechnen und in die Austauschkreisläufe einzubeziehen. Viertens ist die Berechnung der Kosten aller Strukturen und regenerativen Austauschprozesse auf teleonomisch fitteste Fakten und Erkenntnisse zu gründen. Denn wenn bei der finanziellen Bezifferung der Werte mit Unkenntnis und Unvorsichtigkeit agiert wird – weil entsprechende Fakten und Erkenntnisse ignoriert werden – so ist das wie ein Abfahrtslauf in einem Lawinengebiet.

Einheitliche Berechnungsgrundlage. Es gilt also grundsätzlich zu begreifen und zu kommunizieren, dass Geld selbst kein vitaler Wert ist. Es ist lediglich eine Umrechnungseinheit und ein Tauschwert, der extrem wertlos wird, wenn sich die ihm zugrunde gelegten Werte und Berechnungen als unrichtig erweisen. Dem dadurch entstehenden Selektionsdruck wird die Menschheit auf Dauer kaum standhalten. Auch angesichts dessen bedarf es einer grundlegenden Neuberechnung aller Formen, Funktionen, Energien, Informationen und Potentiale auf der einheitlichen Berechnungsgrundlage des Einsatzes von Zeit und Know how sowie im Hinblick auf die Integralfunktion und die aus ihr erwachsenden Synergieeffekte. Denn wenn uns die Luft ausgeht, das Wasser nicht mehr zu trinken, die Erde nicht mehr fruchtbar ist, dann nützt uns das – durch falsche Bewertungs- und Berechnungsgrundlagen – hohe Bankkonto nichts.

Die Integralfunktion: Nachhaltige Weitergabe und Unterstützung von integraler 
Intelligenz und organismischen Lebensformen im Universum (das für uns Menschen  
zunächst hier auf der Erde beginnt).

4.8 Mehrwertinteresse als Stimulans wirtschaftlicher Entwicklungen

Das Individualinteresse an der Bildung von Mehrwert. Als das bisher wirksamste Instrument, das ein kreatives und effizientes Funktionieren von Wirtschaft garantieren kann, hat sich das Individualinteresse an der Bildung von Mehrwert erwiesen. Demgegenüber haben z.B. die real-sozialistischen Methoden gezeigt, dass ohne dieses Privatinteresse an Mehrwert alles wirtschaftliche Agieren zunehmend zum Erliegen kommt.

Unter integralen Gesichtspunkten dürfen Mehrwerte jedoch nicht aus Raubzügen und Piratenakten gegenüber der Gesellschaft und ihren organismischen Lebensgrundlagen, sondern allein aus den Synergieeffekten ihrer unterschiedlichen Ressourcen resultieren. Raubzüge und Piratenakte waren zwar bisher eine allgemein anerkannte ökonomische Praxis, doch wäre es ein schwerer Irrtum anzunehmen, dass das Individualinteresse an der Bildung von Mehrwert zwangsläufig mit Raubzügen und Piratenakten einhergehen muss. Denn angesichts der evolutiv neuen Situation können Mehrwerte im Grunde nur durch Synergieeffekte gebildet werden, die sich an ökolonomischen Kriterien orientieren. Die Frage der ehrlichen oder unehrlichen Mehrwertbildung besteht immer darin, ob Mehrwerte aufgrund von Synergieeffekten entstehen, die der Zukunft und der Integralfunktion der Menschheit dienen oder ob sie zu Lasten des Ökosystems sowie nachwachsender Generationen gehen. Wir sehen, wie wichtig die Transparenz der Austauschkreisläufe ist, um hierfür zu den teleonomisch fittesten Bewertungen gelangen zu können.

Gesellschaftliches Interesse. Die Bildung von Mehrwerten funktioniert nach bisherigen Erfahrungen zwar nur mit Hilfe von Individualinteressen, liegt aber durch die mit ihr entstehenden Synergien – sofern diese der Integralfunktion sowie ökolonomischen Austauschkreisläufen nicht entgegenstehen – zutiefst auch in gesellschaftlichem Interesse. Denn die synergetische Bildung von Mehrwerten hält die Austauschkreisläufe in Gang und versieht sie mit neuen Energiezufuhren.

Generell wäre allerdings differenziert die Frage zu klären, ob und welche Bereiche gesellschaftlichen Lebens vor den Individual- und Mehrwertinteressen geschützt werden müssen. D.h., es gilt die wichtige Funktion von privatwirtschaftlichem Egoismus zu erkennen und zu nutzen, ohne sich ihr aber pauschal auszuliefern. Da Wirtschaften den Austausch von Gütern, Leistungen, von Ideen und Energien betrifft, auf dem Einsatz von Lebenszeit und Lebensenergien der einzelnen Individuen basiert und auf die Erhaltung und Verbesserung der Lebensgrundlagen gerichtet sein sollte, wäre es fatal, wenn Wirtschaften allein Individualinteressen überlassen würde. Aus diesem Grund wäre jeder Arbeitgeber, der die unterschiedlichen Ressourcen zur Bildung von Mehrwerten in Anspruch nimmt, mittels des Lizenzvertrages darauf zu verpflichten, dass er bestimmten integralen und ökolonomischen Rahmenbedingungen gerecht wird. Ebenso wie der Arbeitgeber hat aber auch der Arbeitnehmer bestimmte integrale und ökolonomische Lizenz-Bedingungen zu erfüllen, bevor er eine Arbeit aufnimmt. So sollte er sich zu einem verantwortlich denkenden und handelnden Individuum entwickelt haben, das mit und in seiner Arbeit Verantwortung für eine integrale und ökolonomische Nutzung der Ressourcen übernimmt, anstatt sich für Geld zu versklaven und lediglich Anweisungen auszuführen.

Jeder Mensch wäre damit gefordert, in viel höherem Maße verantwortlich zur ökolonomisch effektiven Produktproduktion und zu einer entsprechenden integralen Qualität der mit den Produkten verbundenen Funktionen beizutragen (wozu es des entsprechenden kulturellen Bildungs- und Verantwortungs-Know-hows bedarf). Derjenige, der seine wichtigste Ressource (Lebenszeit) zur Verfügung stellt, sollte das von ihm produzierte Produkt integral und ökolonomisch mitverantworten. So würde kein Arbeitnehmer mehr – wie Götz Aly es am Beispiel der ökonomischen Prinzipien der Judenverfolgung vor Augen geführt hat – zu einem bestochenen Vorteilsnehmer, der um seines Arbeitsplatzes und Geldverdienstes willen sich an „unehrlichen“ Mehrwertbildungen sowie an der Vernichtung der Lebensgrundlagen beteiligt.

Darüber hinaus sollte jeder Arbeitnehmer etwas davon haben, wenn er intelligent, integral verantwortlich und ökolonomisch effizient arbeitet und deshalb an den aus seiner Arbeit entstehenden Mehrwerten – zumindest mit einem gewissen Prozentsatz – beteiligt sein. Solche Leistungsanreize werden nicht zuletzt dazu beitragen, die ökolonomische Effizienz der Arbeit und des Produktes zu steigern und Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu echten Partnern werden zu lassen (durch die damit verbundene Transparenz würde u.a. der gewerkschaftliche Streit um die Höhe der Löhne zunehmend gegenstandslos werden). Unter den Voraussetzungen der gegenwärtigen Produktionsbedingungen wird dies möglicherweise als ziemlich praxisfern und utopisch eingestuft werden; unter den Bedingungen der evolutiv neuen Situation gibt es dazu aber wohl kaum eine wirkliche Alternative.

Klare Kompetenzen- und Gewaltenteilung. Um die Gesellschaft nicht den unterschiedlichen Privategoismen auszuliefern, sind die verschiedenen Ebenen wirtschaftlichen Handelns nach dem Grad der mit ihnen zusammenhängenden ethischen Verantwortung zu bewerten und auf Transparenz zu kontrollieren. Denn die Erfahrung hat immer wieder gelehrt, dass ohne Transparenz, ohne klare Kontrollierbarkeit und aktive Kontrolle selbst hochgradig sensible Prämissen ethisch verantwortlichen Handelns aus Gründen privatwirtschaftlicher Interessen verletzt werden. (Das hat z.B. die Atomenergiewirtschaft bei der Verschleierung von Havarien oder der Vernachlässigung von Sicherheitsfragen ebenso drastisch vor Augen geführt, wie die Futtermittelindustrie im Bezug auf BSE.) Daher muss zwischen Universal- und privaten Individualinteressen eine klare Kompetenzen- und Gewaltenteilung greifen. Das politische Gemeinwesen setzt den integralen ökolonomischen Rahmen, gibt die Richtung vor und gewährleistet bis zu einem gewissen Punkt die Infrastruktur, auf deren Grundlage das private Mehrwertinteresse Gewinne erzielen kann. Es verhängt aber auch drastische Sanktionen (bis hin zum Entzug der Lizenzen für die jeweilige Ressourcen-Nutzung), wenn dem Rahmen – der natürlich entsprechend weit sein muss – und der ökolonomischen bzw. ethischen Verantwortung nicht entsprochen wird.

Wirkungsgrad synergetischer Effekte erhöhen. Weil wir in der Lage sind, für viele Probleme technologische, logistische und methodologische Lösungen zu finden, werden auch Lösungen zu finden sein, mit denen – durch die Aufstellung entsprechender Ratingfaktoren – jene synergetischen Effekte, die Mehrwert erzielen, in eine messbare Relation zu den Interessen des Gemeinwesens zu bringen sind. Es geht dabei um die Frage, ob die lang- und kurzfristigen Mehrwertbildungen mit den lang- und kurzfristigen Interessen des Gemeinwesens übereinstimmen. Im Rahmen dessen soll der private Unternehmer den Bedarf des Gemeinwesens und seiner Individuen ganz bewusst im Hinblick auf seine eigenen privaten Mehrwertinteressen nutzen können. Entsprechend ist das Individualinteresse an Mehrwert – im Verbund mit den ökolonomischen Rahmensetzungen – als ein prinzipiell zu schützender Wirtschaftsmotor anzuerkennen, der in der Lage ist (oder in diese versetzt werden muss), den Wirkungsgrad synergetischer Effekte zu erhöhen und ein funktionierendes ökolonomisches System zu entwickeln.

Durch die Globalisierung ist das Individualinteresse an Mehrwert gegenwärtig allerdings derart entfesselt, dass es vermutlich erst durch eine global greifende Weltpolitik auf ökolonomisches Wirtschaften verpflichtet werden kann. Gleichzeitig sind die gegenwärtig ablaufenden ökonomischen Prozesse auch im Hinblick darauf hochinteressant. Denn alle Arbeiten, die in die sog. Billiglohnländer ausgelagert werden können, werden voraussichtlich früher oder später dorthin ausgelagert. Dies ist – unter den Gesichtspunkten der globalen Gesellschaft – sogar unabdingbar, wird doch dadurch der Reichtum der sog. „Ersten Welt“ zumindest etwas hin zur „Zweiten“ und „Dritten Welt“ verlagert.

Das Problem besteht gegenwärtig allerdings darin, dass die dadurch in der „Ersten Welt“ freiwerdenden Ressourcen nicht für die Entwicklung von ökolonomischen Produkten und Leistungen eingesetzt werden, die zur Bewältigung der evolutiv neuen Situation beitragen. (Wir haben es auch diesbezüglich wieder mit dem bereits genannten Hauptproblem – dem der Ignoranz – zu tun.) Der Schlüssel zur Lösung der Probleme sowie zur Schaffung gesellschaftlichen und individuellen Reichtums im integralen Sinne dürfte aber genau dort und in der Entwicklung ökolonomischer Produkte und Leistungen liegen, für die nur in der „Ersten Welt“ das Know how und die Ressourcen gegeben sind. Es ist zugleich der Schlüssel, wie trotz der Auslagerung der einfachen Arbeit in Billiglohnländer ein ökonomischer Niedergang der „Ersten Welt“ zu verhindern ist. Sich stattdessen in einen Billiglohn-Wettlauf mit der „Zweiten“ und Dritten Welt“ zu begeben, führt nicht nur fast zwangsläufig zu diesem Niedergang, sondern beruht auch auf der Missachtung der vorhandenen Ressourcen der „Ersten Welt“ sowie der Verkennung der Gesamtproblematik, in der sich die Welt gegenwärtig befindet.

Weltweiter Wirtschaftsboom. Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind daher gefordert, auf die gegenwärtige wirtschaftliche Situation mit der Entwicklung und weltweiten Kommunikation ökolonomischer Produkte und Leistungen zu antworten. Konzerne, die mittels ihrer Produkte und Strategien ökolonomisches Wirtschaften voranbringen, sollten entsprechend steuerlich gefördert und als vorbildhaft kommuniziert werden. Die anderen, die nach den alten Egoismen verfahren, sollten zunehmend steuerlich belastet werden.

Da man davon ausgehen kann, dass im Grunde weder Politik noch Wirtschaft daran interessiert sein können, das Ökosystem Erde zu zerstören (auch wenn es immer wieder schwarze Schafe gibt, weshalb Kontrollsysteme unverzichtbar sind), werden sie sich den ökolonomischen Anforderungen der evolutiv neuen Situation auf Dauer nicht verschließen. Im Hinblick auf die zunehmende Auslagerung der einfachen Arbeit in Billiglohnländer werden die Staaten und Völker der „Ersten Welt“ relativ bald zu begreifen haben, dass ihre Chancen in Bildung und Intelligenz sowie der entsprechenden ökolonomischen Nutzung dieser Ressourcen liegen. Zumal durch ökolonomisches Wirtschaften eine umfangreiche neue Produktpalette entsteht, das Individualinteresse an Mehrwert in keiner Weise angefochten wird und Ökolonomie als Grundlage für einen integralen und weltweiten Wirtschaftsboom gelten kann, werden die seriösen Vertreter der Wirtschaft – so sie die evolutiv neue Situation nicht weiterhin ignorieren wollen – sich mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später als Partner ökolonomischen Wirtschaftens einfinden.

4.9 Kultur, Forschung und Wissenschaft als Monopol des Gemeinwesens

Monopolansprüche des Gemeinwesens. Wie wir bereits bemerkt haben und in Kapitel 5 noch auszuführen sein wird, muss das Gemeinwesen einer Integralen Moderne an der Qualität seiner kulturellen Grundstrukturen vitalstes Interesse haben. Daher darf und muss es auf sie einen Monopolanspruch erheben und sowohl die Ausbildung seiner Intelligenz als auch die gesamten kulturellen Strukturen überwiegend in seiner eigenen Obhut halten. Alle entsprechenden Strukturen und Leistungen – wie denen von Forschungs- und Kulturinstitutionen, von Schulen, Hochschulen und Universitäten – sollten allerdings mit solch teleonomisch fittesten Methoden erschlossen werden, dass sie in ihrer Effizienz privatwirtschaftlichen ökolonomischen Methoden nicht nachstehen.

Die langfristigen Ergebnisse bedenken. Es gibt viele Gründe für diesen Monopolanspruch. Der entscheidende liegt in der evolutiv neuen Situation und darin, dass sich das Gemeinwesen mittels eines Forschungsmonopols vor einer ethisch nicht zu verantwortenden technologischen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse relativ effektiv zu schützen vermag. Denn anders als privatwirtschaftliche Unternehmen, deren Ziel es sein muss, Profit zu machen, muss das Gemeinwesen die langfristigen Ergebnisse und Kosten seiner entsprechenden Entscheidungen bedenken. Es darf nicht zulassen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und deren – unter privatwirtschaftlichen Prämissen betriebenen – technologischen Anwendungen kurz- oder langfristig zu einer Bedrohung der Lebensgrundlagen der Menschheit werden. Die Klärung von ethischen Fragen, die durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Möglichkeiten ihrer technologischen Anwendung erforderlich werden, wird insbesonders durch die Unabhängigkeit des Gemeinwesens entsprechend effizient vorangetrieben werden können.

Lizenzerteilung zur Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Erst nach solchen Klärungen (die es mit Geduld und doch stets zügig voranzutreiben gilt) erteilt das Gemeinwesen Lizenzen zur Nutzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Hinblick auf seine ureigensten streng zu formulierenden Interessen kann es darüber befinden, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine Nutzung freigegeben werden, welche nicht. Darüber hinaus obläge es dem Gemeinwesen, an die erteilten Lizenzen bestimmte Bedingungen und Auflagen zu knüpfen und deren Einhaltung zu kontrollieren. Indem das Gemeinwesen Lizenzen zur Nutzung der Forschungsergebnisse vergibt, kann es nicht nur viele Gefahren falscher Nutzung und schwere langfristige Schäden relativ gut ausschließen, sondern auch seine Investitionen in die wissenschaftliche Forschung refinanzieren.

Grundlagen- und Anwendungsforschung in richtiger Relation. Erteilt das Gemeinwesen für die Nutzung der Erkenntnisse Lizenzen, dann sind dafür vom Nutzer Lizenzgebühren an das Gemeinwesen zu zahlen. Mit diesen Geldern werden sowohl die Ausbildungsstätten als auch die Forschungsinstitute relativ komfortabel ausgestattet werden können. Das Forschungsmonopol des Gemeinwesens würde zugleich bedeuten, dass durch die Forschungseinrichtungen ebenso Grundlagenforschung wie Anwendungsforschung zu betreiben wäre. Die gegenwärtige Praxis, dass die Grundlagenforschung vom Gemeinwesen finanziert wird, während die davon profitierende Anwendungsforschung meist als geldbringendes Filetstück an die Wirtschaft fällt, kann nur als völlig widersinnig erscheinen. Grundlagenforschung und Anwendungsforschung könnten über das Lizenz-Modell in die richtige Relation gebracht und angemessen finanziert werden. Entsprechende Effizienz und die dazu notwendigen Strukturen vorausgesetzt, werden mit diesem Modell zahlreiche Synergie-Effekte einhergehen, von denen letztlich die private Wirtschaft ebenso wie die Gesellschaft als Ganzes profitieren kann.

Modelle, die hohe Effizienz garantieren. Regelungen und Lizenzvergaben durch das Gemeinwesen setzen voraus, dass das Gemeinwesen nicht weiterhin auf der Basis alter staatlicher Platzhirsch-, Subventions- und Versorgungsmentalitäten funktioniert. Im Gegenteil. Jedes universitäre, wissenschaftliche, künstlerische, ethische Institut sowie die staatlichen Institutionen des Gemeinwesens selbst brauchen Formen und Modelle, die eine hohe Effizienz ihrer Arbeit und deren Kommunikation garantieren. So zum Beispiel mit finanziellen Beteiligungen an den erzielten Arbeitsergebnissen, mit Prämiensystemen für die Auffindung wissenschaftlicher, ökonomischer, ökologischer, künstlerischer, kultureller, ethischer Problemstellungen, mit ökolonomischen Lösungen für die Nutzung der akquirierten Erkenntnisse. Indem sich das Gemeinwesen angesichts der evolutiv neuen Situation von alten Beamtenmentalitäten verabschiedet, bekommt es ein effizientes Instrumentarium, seine ureigenen Interessen, und damit die Interessen zukünftiger Generationen zu wahren.

Wissen bedeutet Verantwortung. In der Erzählung „Neu-Atlantis“ von Francis Bacon erzählt der Philosoph: Es ist bei uns üblich, dass wir Beratungen darüber abhalten, welche Erfindungen und Entdeckungen, die wir gemacht haben, veröffentlicht werden sollen und welche nicht. Wir gehen alle einen Eid ein, der uns verpflichtet, jene Dinge zu verschweigen, die nach unserem Dafürhalten geheim zu halten sind.“9 Denn Wissen bedeutet Verantwortung, was es sich wieder etwas klarer vor Augen zu führen gilt. Ob diese Verantwortung heute noch auf der Basis von Geheimhaltung funktionieren kann, sei dahin gestellt. Aber um die Wahrnehmung der mit wachsendem Wissen zu wachsenden Verantwortung kommen wir nicht herum, wie wir diese auch immer gestalten. Die Gesellschaft einer Integralen Moderne hätte die Aufgabe, diese Verantwortung für und von Forschung, Wissenschaft und Kunst erneut einzufordern. Das heißt z.B. zu akzeptieren, dass auch für den wissenschaftlichen Fortschritt ethische Grenzen gelten, dass nur jene Erkenntnisse technologisch, kommerziell, strukturell umgesetzt werden dürfen, die dem Gesamtzusammenhang und der integralen Entwicklung menschlicher Lebensintelligenz im „regenerierenden“ Universum dienlich sind. Vergleichbares muss für die Struktur und Entwicklung von Kultur überhaupt gelten.

4.10 Die Minimierung von Arbeit und der Gewinn von Freizeit

Neukonfiguration der Austauschkreisläufe. Das Stichwort Arbeit ist in den vergangenen Jahrzehnten für viele Menschen zu einem Reizwort geworden, entweder weil sie davon zuviel haben, oder aber weil sie ihnen fehlt. Arbeit ist ein Austauschsystem, durch das mittels des Einsatzes von Know how und Zeit Lebensqualitäten zu erzeugen und zu regenerieren sind. Da jeder Mensch mit seiner Geburt genuin das Recht auf eine angemessene Teilhabe an den Lebensgrundlagen erwirbt, erwirbt er auch das Recht auf die Einbeziehung in das Austauschsystem Arbeit. Es gibt dabei kaum einen Zweifel, dass durch technologische Entwicklungen (und trotz eines möglichen ökolonomischen Wirtschaftswunders) der Anteil der Arbeitszeit an der Lebenszeit künftig weiter sinken wird. Denn je effizienter die Unternehmen im Sinne ihrer Mehrwertinteressen arbeiten, umso mehr wird die Arbeit, die bisher von Menschen ausgeführt wurde, von Maschinen und Computern übernommen. Prinzipiell wird daher der Anteil von Frei-Zeit sukzessive zunehmen, bis er sich auf einen mittleren Wert einpegelt. Es gilt diesen – durch die technologische Automatisierung von Arbeit hervorgerufenen – Wandel als solchen zu begreifen und zu begrüßen. Das heißt auch, darauf zu verzichten, den Menschen mit der ökonomischen Keule die Taschen damit voll zu lügen, dass die Vollbeschäftigung im bisher gewohnten Maße zurück gewonnen werden kann. Doch damit das Weniger an Arbeit und das Mehr an Freizeit als ein großes Glück empfunden werden kann, bedarf es der entsprechenden Wertekommunikation und einer neuen Konfiguration der Austauschkreisläufe, so dass trotz weniger Arbeit Wohlstand sowie ein angemessener gesellschaftlicher Werte- und Warenaustausch gewährleistet werden kann.

Arbeit gerecht verteilen und zutreffend prognostizieren. Dafür kommt es auf ökolonomische Organisation sowie teleonomisch fitteste Bewertungs- und Verteilungssysteme von Arbeit an. Sie sollen dazu führen, vorhandene Arbeit teleonomisch fittest zu bewerten und gerecht zu verteilen sowie – aufgrund von Prognostizierungen – Strukturen für neue Arbeit zu schaffen. „Gerecht“ bedeutet hier nichts anderes, als angesichts einer Gesamtsituation für Ausgleich zu sorgen. Dieser Ausgleich ist dabei selbst als eine Leistung zu betrachten, die nur von allen beteiligten Akteuren im Hinblick auf den Gesamtzusammenhang gemeinsam zu erbringen wäre.

Wenn wir die vor der Menschheit liegenden großen Aufgaben im Hinblick auf die Erfüllung der Integralfunktion in Betracht ziehen, dann ist – wie schon in Kapitel 4.8 erörtert – allein für die Wahrung der organismischen Lebensgrundlagen sowie für die ökolonomische Erschließung der unterschiedlichsten Formen von Energie eine solche Vielfalt von hoch spezialisiertem Wissen und Know-how notwendig, dass im Prinzip das Leben eines jeden Menschen dafür gebraucht wird. Die dafür zur Verfügung stehenden unterschiedlichen Ressourcen können allerdings nur insofern erschlossen werden, wie es gelingt, dafür die entsprechenden Strukturen zu schaffen. Das betrifft auch den kulturellen Sektor, der kaum in direkter Weise materielle Mehrwerte schafft, dafür aber Know how und Intelligenz integral zu entwickeln vermag. Da auffallend ist, dass Gesellschaften mit einer hohen kulturellen Qualität immer auch wirtschaftlich erfolgreich waren, gilt es den hohen Wert und Einfluss geistig-kultureller Qualitäten für die allgemeine Mentalitätsentwicklung der Gesellschaft sowie für wirtschaftliche Prosperität zu erkennen und zu nutzen.

Das Prinzip der Verteilung von Arbeit könnte darin bestehen, zunächst die gesellschaftlich vorhandene Arbeitszeit zu ermitteln und diese durch die Anzahl der arbeitsfähigen Individuen der Bevölkerung zu teilen. Auf Grundlage nachhaltig orientierter Prognosen kann dann ermittelt werden, wie viel und welche Arten von Arbeit gegenwärtig und zukünftig benötigt werden, welche zu viel oder zu wenig vorhanden sind, welches Know how es zu entwickeln gilt und welche Arbeiten und Produkte nach ökolonomischen Kriterien umzugestalten sind. Diese Prognostizierung muss bis hin zu den Geburten- und Sterberaten reichen und auch die entsprechenden Ausgleichsinstrumentarien (wie z.B. Kinderbetreuung oder Mütterrechte) in die Überlegungen einbeziehen. (Denn es sollte nicht wieder passieren, dass die Gesellschaft die Geburtenrate außer betracht lässt und ihre eigene Regeneration faktisch nur weniger gebildeten Bevölkerungsschichten überlässt.) In weiteren Schritten sind die vorhandenen Zeit-Ressourcen zu ermitteln und auf die Lösung der unterschiedlichen Aufgaben zu verteilen. So erhält man bestimmte Ansatzpunkte und Schnittmengen, nach denen sich die zu ergreifenden strukturellen Maßnahmen richten können. Durch intelligente Systeme der Ermittlung und Förderung von Begabungen und Neigungen wären zudem enorme Ressourcen zu erschließen, die auf eine besonders effiziente und motivierte Ausübung der jeweiligen Tätigkeiten hinwirken.

Auch im Hinblick auf die Prognostizierung selbst bedarf es integral fungierender Fehlererkennungsinstrumentarien. Denn verschläft es eine Gesellschaft, ihre eigenen Fehler und Versäumnisse rechtzeitig zu erkennen und zu korrigieren, entsteht ihr großer Schaden. Was die zu ergreifenden Maßnahmen betrifft, so gilt es dafür die allgemeinen strukturellen Rahmenbedingungen teleonomisch fittest zu formulieren und transparent zu kommunizieren, anstatt gewonnene Einsichten dirigistisch umzusetzen.

Bedingungsloses Grundeinkommen. Der Unternehmer Götz Werner - der u.a. darauf verweist, dass die gegenwärtige Gesellschaft kein materielles, sondern ein kulturelles Problem hat - vertritt auf der Website www.unternimm-die-zukunft.de die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Auch angesichts der genuinen Rechte und Pflichten, die jeder Mensch mit seiner Geburt erwirbt, ist dies eine sehr interessante und folgerichtige Idee. Sie ist eine Voraussetzung, um die Besteuerung der Arbeit abzuschaffen und Steuern allein auf den Konsum jeglicher Art zu erheben. Einmal abgesehen davon, dass es relativ schwierig sein dürfte, eine scharfe Abgrenzung zwischen Arbeit (z.B. Dienstleistungen) und Güterkonsum zu erreichen, liegt in dieser Idee ein bestechend sympathischer Freischlag. Denn sie bezieht mit einem bedingungslosen Grundeinkommen alle Menschen in die Austauschkreisläufe ein. In einem weiteren Schritt müsste es allerdings um die Frage der Verteilung von Arbeit sowie der Neukonfiguration der Austauschkreisläufe gehen.

Genug für alle. Wenn auch eine erhebliche Korrektur der Bewertungs- und Berechnungsgrundlagen vorgenommen und das Gesamtsystem des gesellschaftlichen Werte- und Warenaustausches entsprechend umstrukturiert werden muss, so kann in jedem Fall davon ausgegangen werden, dass unter ökolonomischen Rahmenbedingungen genug Arbeit für alle Menschen vorhanden ist. Es wird künftig allerdings immer mehr Arbeit entstehen, die nicht die Produktion von Verbrauchsgütern zum Gegenstand hat, sondern mit denen es um die Sicherung der ökologischen Lebensgrundlagen sowie um die Erschließung und Mobilisierung der Energie – und Intelligenzressourcen der Menschheit geht. Neue Arbeit würde aus der Beachtung der Problematiken der evolutiv neuen Situation, aus ökolonomischen Strategien und Methoden sowie effizienten Anreizen zur Schaffung von entsprechend neuen Strukturen, aus zutreffenden Prognostizierungen ökologischer Erfordernisse und gesellschaftlichen Bedarfes sowie aus teleonomisch fittesten Bewertungs- und Verteilungsstrukturen der Arbeit selbst resultieren. Natürlich sollten von vornherein Arbeitszeitbeschränkungen mitgedacht werden, die – angesichts der Beteiligung aller – künftig wohl eher auf eine 30-Stunden-Woche hinauslaufen dürften. Ein großer Gewinn, denn das Leben eines jeden Menschen wird in dem Maße lebenswert, wie es nicht in Stress versinkt.

Zeitliche Limitierung der Arbeitsverträge. Als eine wichtige Voraussetzung für die Neukonfiguration der Austauschkreisläufe kann die bereits erwähnte generelle zeitliche Limitierung aller Arbeitsverträge gelten. Denn die bisherige Praxis der unbefristeten Arbeitsverträge brachte eine Macht der Gewohnheit hervor, die der Neuentwicklung von Know how und der Entwicklung und Anwendung von effektiven Fehlererkennungsmethoden nur selten dienlich gewesen ist. Während jene, die heute unbefristete Arbeitsverträge haben, nicht selten – auch um der Erhaltung ihres Arbeitsplatzes willen – an den tatsächlichen Problemen vorbeisehen, übt dieses Verhalten auf jene, die solche Verträge nicht ihr eigen nennen, eine geradezu zynische Wirkung aus, die eines Tages (aufgrund des Mangels an Subjekt-Relationen) in höchste Aggression umschlagen könnte. Unbefristete Arbeitsverträge sind mitnichten eine Bedingung für die Überlebensfähigkeit der integral-modernen Gesellschaft. Dagegen kann die Einbeziehung von integraler Intelligenz und integralem Know how jedweder Couleur sowie die ökolonomische Konfigurierung der Austauschkreisläufe genau als eine solche Bedingung gelten. Durch die zeitliche Limitierung der Arbeitsverträge (z.B. auf sechs Jahre – das siebte Jahr könnte z.B. ein Freijahr sein) würde sich zudem gesamtgesellschaftlich die Motivations- und Argumentationsgrundlage schwunghaft derart verändern, dass bei jedem Einzelnen ein Bewusstsein für den Wert seiner Arbeit und für die damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten wachgerufen würde.

Gewinn von Freizeit und Lebensqualität. Wenn die früher oder später unwiderruflich eintretende Minimierung von Arbeit auf eine Gesellschaft, die bis heute den Wert ihrer Mitglieder fast ausschließlich am Ausmaß ihrer Arbeit misst, als ein schockierend schwerer Verlust wirkt und erhebliche Ängste weckt, so ist dieser Verlust – menschheitsgeschichtlich gesehen – im Grunde eine äußerst positive Entwicklung, weil ein Gewinn von Freizeit und Lebensqualität. Wenn wir zudem davon ausgehen, dass Arbeit keinen Wert an sich darstellt, sondern dass sie in erster Linie dazu dient, die ökolonomischen und kulturellen Grundlagen für das Leben der Menschen und die integrale Entwicklung der menschlichen Intelligenz zu sichern, dann kann eine ökolonomische Automatisierung von Arbeit – und damit die Minimierung von Arbeitszeit – für die Entwicklung der Menschheit auch als die Voraussetzung für einen großen Entwicklungssprung der menschlichen Intelligenz und die Erfüllung der Integralfunktion angesehen werden.

Bemäntelung der ungerechten Verteilung von Arbeit. Die Illusionierung, dass es unter bestimmten Investitionsvoraussetzungen usw. bald auf Dauer wieder für alle Vollbeschäftigung geben wird, ist im Grunde eine Bemäntelung der gegenwärtig praktizierten ungerechten Verteilung von Arbeit und der mit ihr zusammenhängenden Übervorteilungen. Sie verkennt zudem die mit der Automatisierung zwangsläufig einhergehenden Entwicklungen. Wird an dieser Bemäntelung und Verkennung festgehalten und werden nicht alle Menschen an den Austauschkreisläufen und der zur Verfügung stehenden Arbeit (die mittels des o.g. bedingungslosen Grundeinkommens auch individuell generiert werden könnte) beteiligt, dann führt das früher oder später zu vernichtenden Folgen für Demokratie und Gesellschaft. Daher sollte die Vollbeschäftigungs-Lüge nüchterneren Überlegungen für eine Neustrukturierung des Verhältnisses von Arbeitszeit und Freizeit und einer ausgeglicheneren Verteilung beider Zeitressourcen weichen.

Die Sinnfrage. Der Mensch, der nicht mehr von früh bis spät für Ernährung und Unterkunft schuften muss, steht aufgrund der Automatisierung von Arbeit einem großen Reservoir an freier Zeit gegenüber, das er nun zur Entwicklung seiner Intelligenz einsetzen kann. Angesichts der Zunahme von Freizeit muss jeder Mensch sich prinzipiell fragen, was er mit seiner freien Zeit anfangen will. Es ist dies zugleich die Frage, was er mit sich anfangen will, wozu er überhaupt lebt. Solange sich diese Frage nur für einzelne Menschen stellt, fällt es nicht unbedingt ins Gewicht, wenn ihre Beantwortung mal irgendwie daneben geht. Stellt sich diese Frage aber für eine große Anzahl von Menschen oder gar für die gesamte Menschheit, dann ist es von außerordentlichem Belang, wie die Beantwortung ausfällt. Wenn der Mensch angesichts eines neuen Volumens von Frei-Zeit aus Langeweile nicht in lauter Dummheiten verfallen soll, dann muss er in die Lage versetzt werden, in seinem Leben Sinn erkennen zu können. Dazu gehört, den allgemeinen Lebenssinn individuell so konkretisieren zu können, dass ein Individuum sich in ihm zu finden vermag. Der Mensch wird dabei sehr schnell merken, dass er eine Menge Zeit zur Beantwortung der vielfältigen Fragestellungen benötigt, die sich aus der Integralfunktion konkret an seine Person stellen. Und darin besteht die ganz konkrete Chance und Herausforderung, Lebenssinn zu bilden.

Die Funktionen von Arbeitszeit und Freizeit. Arbeitszeit und Freizeit – zeitliche Bindungen überhaupt – strukturieren das Leben des Menschen und geben ihm Rhythmus und Klang und darin letztlich einen nicht unwichtigen Teil seiner Identität. Ohne diesen Rhythmus und Zusammenklang verliert der Mensch einen wichtigen Teil seines soziellen und universellen Beziehungsgefüges. So ist im Sinne einer Integralen Moderne zwischen Arbeitszeit und Freizeit folgende Unterscheidung zu treffen: Während die Arbeitszeit jene Zeit ist, in der jeder Mensch als Teil eines Ganzen einen speziellen Beitrag zur Sicherung der soziellen Lebensgrundlagen leistet, geht es mit Freizeit – neben der Regeneration der eigenen Arbeitskraft und der Beantwortung der o.g. Fragestellungen – um die Wahrnehmung der universellen Lebenszusammenhänge sowie um die Kommunikation der allgemeinen geistig-kulturellen Lebensgrundlagen.

Entsprechend galt bereits bei den alten Griechen die Freizeit als die Zeit der Götter. Platon schreibt zur Freizeit in seinen „Gesetzen“: „Die Götter haben aus Mitleid für die zum Leiden geborene Menschheit als Ruhepausen für ihre Sorgen die Dankfeste eingesetzt und den Menschen die Musen, Apollo den Musenführer, und Dionysos als Festgenossen gegeben, damit durch diese göttliche Festgemeinschaft die Ordnung der Dinge unter den Menschen stets wiederhergestellt wird.10 Und zu Aristoteles’ Auffassung über Freizeit finden wir bei Johan Huizinga: “Heutzutage, sagt Aristoteles, üben die meisten die Musik des Vergnügens wegen aus, die Alten aber haben sie unter die Erziehung (…) gerechnet, weil die Natur selbst fordert, dass wir nicht allein gut zu arbeiten, vielmehr auch gut müßig zu sein vermögen. Diese Muße ist der Urgrund von allem. Sie ist der Arbeit vorzuziehen und ist ihr Ziel.“11 Joan Huizinga sagt weiter: „Das Müßigsein aber scheint in sich selbst Genuss, Glück und Lebensfreude zu enthalten. Dies Glück nun, d.h. dies nicht mehr nach etwas Streben, was man nicht hat, ist (…) Lebensziel. Aber Genuss suchen nicht alle Menschen in derselben Sache. Der Genuss ist dann der beste, wenn der Mensch, der genießt, der beste ist und wenn sein Streben das edelste ist. Also ist deutlich, dass man für das Durchbringen der freien Zeit etwas lernen und sich bilden muss.“12

Das edelste Streben des Menschen. Welches könnte in der Arbeitszeit, welches in der Freizeit das edelste Streben des Menschen sein? Und wenn durch die „Festgemeinschaft von Gott und Mensch“ die Ordnung der Dinge13 unter den Menschen wiederhergestellt werden soll, was könnte an solchen Überlegungen relevant für die Zukunft des Menschseins sein? Kann die Ordnung der Dinge herzustellen, etwas anderes heißen, als den ökolonomischen und kulturellen Gesamtzusammenhang aufgrund der Integralfunktion zu erneuern und müsste dies nicht als das edelste Streben des Menschen bezeichnet werden?

Daher kann es – wenn auch auf jeweils unterschiedliche Weise – sowohl mit der Arbeitszeit als auch mit der Freizeit nur um die Umsetzung der Integralfunktion und ihre kulturellen und ökolonomischen Zusammenhänge gehen. Im Sinne einer Integralen Moderne wäre deshalb neu zu lernen, dass Freizeit nicht nur beschäftigungsfreie Zeit ist, sondern neben der Zeit der Muße auch jene Zeit, in der physische und psychische Energien aktiv auszugleichen und zu regenerieren sowie universelle organismische, kulturelle und ökolonomische Werte im Hinblick auf ihren Gesamtzusammenhang zu reflektieren und zu kommunizieren sind.

Die Welt als Ganzes als Aufgabe. Wir benötigen ein größeres Maß an Frei-Zeit also nicht nur, weil wir Ruhepausen von den Sorgen des Lebens brauchen, sondern auch, weil wir angesichts der evolutiv neuen Situation mehr denn je die Welt als Ganzes als Aufgabe vor uns haben. Wir benötigen Frei-Zeit, um unseren Geist dafür aufzuschließen, dass er seiner Bindungen an die Welt als Ganzes gewahr wird. Wir setzen ihn damit in die Lage, auch mit der jeweils individuellen Arbeit dazu beizutragen, die Ordnung der Dinge und ihren Gesamtzusammenhang immer wieder zu erneuern. Dass dies mit größerer Gelassenheit und Muße geschehen könnte und dazu auch noch Zeit für Familie, sportliche Betätigung und Hobbies übrig bliebe, wäre der Vorzug einer ökolonomischen Automatisierung und Minimierung von Arbeitszeit. Wenn erst einmal Schluss mit der Ideologie ist, dass nur jener Mensch mit einem Übermaß an Arbeit etwas wert ist, dann wird die Minimierung der Arbeitszeit nicht mehr als Schock empfunden, sondern sich als ein großer Gewinn von Lebensqualität herausstellen. Es liegt daher eine eminente politische Aufgabenstellung darin, dafür die teleonomisch fittesten Rahmenbedingungen zu entwickeln.



Quellenverzeichnis

  1. R. Buckminster Fuller: "Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde", s.o., S. 78/83

  2. Ebenda, S. 76/83

  3. Ebenda, S. 36

  4. Ebenda, S. 36

  5. Ebenda, S. 78/83

  6. Ebenda, S. 83

  7. Ebenda, S. 83 ff.

  8. Internet, zitiert nach der Definition http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichgewichtspreis vom 28.08.05

  9. Francis Bacon „Neu-Atlantis“, Akademie-Verlag Berlin, 1984, S. 49

  10. Johan Huizinga „Homo Ludens“, Rowohlt Taschenbuch, 1956 / 1981, S. 174

  11. Ebenda, S. 176

  12. Ebenda S. 176

  13. s.a. Michel Foucault: „Die Ordnung der Dinge“, Suhrkamp 1974

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