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Ideologiefreier Kunst die Treue haltend

Ideologie-freier Kunst die Treue haltend

"Relativ eng mit Weimar verbunden, 

hatte ich mich schon sehr früh der Freiheit von Kunst/Musik und – via Günter
Lampe - den Ideen Arnold Schönbergs verschrieben, anstatt mich der SED-Kulturdoktrin 
zu unterwerfen.

Von der SED-Leitung der Weimarer Musikhochschule als „spätbürgerlich-dekadent“ apostrophiert, musste ich daher trotz Bestnoten bereits mit 21 Jahren mein Kompositionsstudium abbrechen. So initiierte ich 1975 die „gruppe neue musik weimar“, die ich 10 Jahre höchst erfolgreich leitete und mit der ich auch mein eigenes kompositorisches Schaffen (trotz der 1973 SED-staatlich erfolgten Verweigerung eines regulären Kompositionsstudiums) zunehmend durchzusetzen vermochte.  „Türöffner“ für die Konzerte der „gruppe neue musik weimar“ in Dresden und andernorts war die sehr gute Aufführung meines „Clusteriex“ 1975 durch das Philipp-Quintett der Dresdner Staatskapelle im Studiotheater des Dresdner Kulturpalastes.

Da ich mich -  trotz der (bis hin zum AdK-Meisterstudium und Hanns-Eisler-Preis 1980) einsetzenden ddr-staatlichen Umarmungs- und Vereinahmungsversuche - der SED-Diktatur auch weiterhin nicht unterwarf und ideologiefreier Kunst die Treue hielt, blieb mir jedoch letztlich keine andere Wahl, als 1986 einen kulturpolitisch begründeten DDR-Ausreiseantrag zu stellen und die DDR zu verlassen (1988). 

Von Kurt W. Streubel inspiriert, knüpfte ich 1991/92 mit der Gründung der BAUHÜTTE KLANGZEIT WUPPERTAL an den Ideen der kulturellen Erneuerung und des integralen Zusammenwirkens der Künste des Weimarer Bauhauses an. Mit ihr initiierte/leitete ich (u.a. gefördert von der Europäischen Union) das erste internationale Klangkunst-Festival Deutschlands. Den KLANGZEIT-Katalog überreichte ich 1993 auch den Weimarer Musikwissenschafts-Professoren Michael Berg und Wolfram Huschke. Zwar verwendeten Berg und seine Kollegen den Klangzeit-Titel, doch nahmen sie in ihrer Schriftenreihe „KlangZeiten – Musik, Politik und Gesellschaft“ weder auf mein internationales KLANGZEIT-Projekt, noch auf die „gruppe neue musik weimar“ oder auf die politische Verhinderung meines Weimarer Kompositionsstudiums Bezug. Das war - ebenso wie Wolfram Huschke in seiner "Eine Geschichte der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar" - versuchte kulturelle Eliminierung und ist wohl kaum anders erklärbar, als dass diese Hochschule mittels ihrer Musikwissenschaft die Akutheit ihrer SED- und Totalitarismus-Verstrickungen verschleiern wollte. 

Dass die gegenwärtige Musikforschung nicht nur bzgl. National-Sozialismus, sondern auch bzgl. Real-Sozialismus unter einem „kapitalen Systemdefekt“ (U.Blomann) leidet, zeigt sich nicht zuletzt an dieser Weimarer „KlangZeiten“-Schriftenreihe. Zutiefst ideologisiert von real-sozialistischen Verstrickungen und Interessenlagen, tarnte sie Ihre DDR-Musikforschung mit hohen intellektuellen Ansprüchen sowie interdisziplinären oppositionellen Kontexten. Ihr "wahres" Gesicht zeigt sich jedoch nicht zuletzt an der von ihr bewusst betriebenen Ausklammerung u.a. meines Schaffens oder der Existenz Kurt W.Streubels (den Michael Berg ebenfalls persönlich kannte), aber auch des Schicksals von Hermann Gerber - eines aufrechten ehemaligen Dozenten dieser Hochschule. Kann eine solche DDR-Musikforschung überhaupt noch glaubhaft sein? Entsprechend beschämend und bezeichnend, dass die DDR-Musikforschung dieser Hochschule zudem die Stasi-Zusammenarbeit prominenter Weimarer (Musikwissenschafts-)Professoren verschwieg.  Erst der emeritierte Jenaer Prof.Dr.Gottfried Meinhold hat dies mit einer bemerkenswerten Studie anhand von zwei Fallbeispielen ans Licht gebracht.

Auch die hier zur „gruppe neue musik weimar“ bzw. „kammerensemble paul dessau“ veröffentlichten Dokumente können wohl aufzeigen, wie wenig haltbar eine ideologisierte DDR-Musikforschung ist und dass sie sich sowohl im Sinne faktenorientierter Aufklärung als auch im Sinne von Kultur um der Freiheit willen (s.a. Christian Meier) früher oder später erübrigt hat, wenn sie so wie bisher weitermacht. Denn die zukunftstragfähige Entwicklung von Geist und Intelligenz, von Demokratie und Kultur ist - im Gegensatz zu allen Ideologien (denen ich neben ideologiefreier Kunst auch den Begriff Ideen-Logik entgegenstelle) - ganz grundsätzlich auf den Gedanken der Freiheit sowie auf entsprechende Transparenz angewiesen. "Fake News" (auch bzgl. DDR-Musikforschung) wirken wie Vergiftungen; man hüte sich vor ihnen."

 

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