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Glocken Requiem Dresden XXI

Brief an die Dresdner und Dresdnerinnen GLOCKEN REQUIEM DRESDEN XXI – Vorschlag / Einladung zu Dresdens 13.2. 2020

Liebe Dresdner und Dresdnerinnen, 

liebe Mitglieder der Dresdner Kirchengemeinden und ihrer Kirchenvorstände,
sehr geehrte Dresdner Pfarrerinnen und Pfarrer, sehr geehrte Damen und Herren der Kulturinstitutionen Dresdens,
 
wie sich manche von Ihnen sicherlich erinnern werden, fand anlässlich des 50. Jahrestages der Zerstörung Dresdens – auch dank der großen Unterstützung der Dresdner Pfarrerschaft und vieler weiterer Menschen sowie der Schirmherrschaft von Ministerpräsident K. Biedenkopf - am 12.2. 1995 die Uraufführung des GLOCKEN REQUIEM DRESDEN von H.Johannes Wallmann statt, einer Stadtklang-Komposition für 129 Dresdner Kirchenglocken. Die Klänge der sekundengenau notierten 332-seitigen Komposition wurden mittels 49 gleichzeitig geschalteter Telekomleitungen an einem großen Mischpult in der Dresdner Musikhochschule vernetzt und von MDR, Deutschland-Radio, BBC London, Radio Washington D.C. live übertragen. Zigtausende Dresdner kamen damals an die Ruine der Frauenkirche, auf die Elbwiesen und auf die Höhen der Stadt, um die Uraufführung dieses gleichermaßen kulturell wie technologisch herausfordernden Werkes mitzuerleben. Millionen hörten die Liveübertragung im Rundfunk. 
Die ARD-tagesthemen (12.2. 1995) hielten fest: ein Erlebnis von großer Kraft“.

Noch 17 Jahre danach hieß es in der DNN (11./12. Februar 2012): "Ich erinnere nur an das bewegende Glockenrequiem 1995, das die ganze Stadt in einen einzigen Klangkörper verwandelte und 50 000 Dresdner nur allein in den Straßen und Plätzen der Innenstadt den Atem anhalten ließ.”

Da das Werk im Gedenken an die Dresdner Bombennacht „Kindern als Trägern der Zukunft gewidmet" ist, erschien die CD zugunsten der internationalen Kinderhilfs-organisation „terre des hommes“ und erbrachte ihr Zuwendungen im 5-stelligen Bereich. 

Für den 13.2. 2005 hatten wir unter Hinweis auf Lessings Ringparabel eine erweiterte Fassung dieses Werkes - das GLOCKEN REQUIEM XXI - vorgeschlagen. In ihm erklingen zwischen den Sätzen mit Glockenklängen Chorsätze ohne Glockenklänge auf Texte der christlichen, jüdischen und islamischen Kulturen/Religionen sowie von Kindern aus Kriegsgebieten. Entsprechend beginnt und endet das Werk auf deutsch, hebräisch und hocharabisch mit einem Text von Anne Frank, den sie kurz vor ihrer Deportation nach Auschwitz formulierte:"Solange die ganze Menschheit, ohne Ausnahme, keine Metamorphose durchläuft, wird Krieg wüten und alles, was gebaut, gepflegt und gewachsen ist, wieder abgeschnitten und vernichtet..."

Diesen Text von Anne Frank hatte der Komponist schon 1995 auch deshalb gewählt, weil die Zerstörung Dresdens als ein Bumerang jener Gesinnungen zu sehen ist, die zum 2. Weltkrieg, zu Auschwitz und vielen weiteren totalitären Verbrechen führten. An deren kultureller Bemäntelung und Ermöglichung waren auch Kulturinstitutionen und die christlichen Kirchen beteiligt, z.B. mit den Deutschen Christen, den „Entjudungskommissionen“ der Kirchenleitungen, oder dem Konkordat (dem Vertrag zwischen dem Vatikan und Hitlerdeutschland) ... So wurden auch viele Dresdner Glocken abgehängt, auf den Hamburger Glockenfriedhof verbracht und zu Kanonen / Bomben / Kriegsmaterial umgeschmolzen. Leider fand unser Vorschlag für 2005 nicht gleichstarke Unterstützung wie 1995. So kam das GLOCKEN REQUIEM XXI mit dem o.g. Zitat von Anne Frank in Dresden bisher nicht zur Aufführung. Stattdessen gelang 2006 anlässlich des 5. Jahrestages von 9-11 sowie des 62. Jahrestages der Zerstörung der Stadt Darmstadt die konzertante Uraufführung; „ein tief beeindruckendes und die Zuhörer bewegendes Werk“ schrieb das Darmstädter Echo (13.09. 2006). Mit Aufführungen des Werkes als Dresdens Stadtklang-Komposition könnte ein entsprechendes - weit über Dresden hinaus gehendes - Zeichen gesetzt werden.

Nachdem 2019 der Konzertchor Darmstadt dafür die Rechte einräumte, haben wir aus dem Mitschnitt der Uraufführung des GLOCKEN REQUIEM XXI eine Video-Fassung gestaltet und ins Internet gestellt: https://www.youtube.com/watch?v=5Brxn3rtAew

Auf dieser Grundlage möchten wir - da alle Vorstöße für eine Live-Aufführung scheiterten - Ihnen anlässlich des 75. Jahrestages der Zerstörung Dresdens den folgenden dreiteiligen Vorschlag für den 13.2. 2020 unterbreiten und Sie einladen, diesen Vorschlag mittels Ihrer Ideen und Möglichkeiten zu realisieren und mitzugestalten: 

a) die o.g. Video-Fassung des GLOCKEN REQUIEM XXI am 13.2. 2020, 20 Uhr in Dresdner Kirchen sowie anderen öffentlichen Orten/Räumen Dresdens aufzuführen.
b) ab 21:30 Uhr die Glocken aller Dresdner Kirchen entsprechend der sekundengenau notierten Stadtklang-Partitur von 1995 zu läuten. 
c) ab 21:30 Uhr aus den Fenstern möglichst vieler Dresdner Privatwohnungen die CD des GLOCKEN REQUIEM DRESDEN 1995 erklingen zu lassen (bitte sekundengenau 21:30 Uhr starten!) - ein bürgerschaftliches Engagement.

zu a) Um eine gute Qualität der Video-Fassung zu erreichen, kann das Video entweder von youtube oder per wetransfer heruntergeladen werden. Letzteres ist die qualitätsvollere und sicherere Variante; Sie müssten dafür mit uns Kontakt aufnehmen. Kosten entstünden Ihnen daraus nicht. 

zu b) Wie einige Dresdner „Glöckner“ 1995 berichteten, erzeugt das Wechselspiel der Glocken zwischen Klang und Stille und den benachbarten Geläuten nicht nur ein weites Stadtklang-Hören, sondern eine ganze eigene Art von Meditation und Gebet … Wir möchten die Aufführung dieser Glockenkomposition unter den Gedanken von Hesekiel 36,26 stellen, der Satz 16 (Sanctus 1) des GLOCKEN REQUIEM XXI gedanklich grundiert und auch der Spruch des Reformationsjahres 2017 war … Die Gesamtpartitur - unterteilt in vier Parts (A, B, C, D; jeweils 11-14 Geläute umfassend) - kann als pdf unter glockenrequiem.de heruntergeladen und von Ihnen dann ausgedruckt und gebunden werden. Dort finden Sie auch die Geläute-Auflistung der 4 Parts sowie technische Ausführungshinweise. Weitere Informationen ebenfalls unter glockenrequiem.de. Nachfragen stehen wir gern zur Verfügung. 

zu c) Auch angesichts der Stärke neuer nationalistischer und totalitärer Gesinnungen in Deutschland und Europa sei daran erinnert, dass Zukunft nur so gut gestaltet werden kann, wie (totalitäre) Vergangenheiten aufgearbeitet sind. Darin liegt die große kulturelle Heraus-forderung, die mit dem GLOCKEN REQUIEM DRESDEN XXI verbunden ist. Wenn Sie persönlich dazu beitragen möchten, die Stadtklang-Fassung dieses Werkes und die mit ihm modern praktizierte Geschwisterschaft der Kulturen/Religionen in Dresden zukunftsgestaltende Wirklichkeit werden zu lassen, dann unterstützen Sie bitte diesen Vorschlag mit Ihren Ideen und Möglichkeiten.

 In diesem Sinne gespannt auf Ihre Antwort, Unterstützung bzw. Mitwirkung, mit freundlichem Grüßen nach Dresden,


Susanne & H. Johannes Wallmann 
production@integral-art.de
 

Berlin, am 20.11. 2019 

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GLOCKEN REQUIEM DRESDEN (1995) - Partitur in 4 Parts:

 

Part A:

Kreuzkirche
Auferstehung
Coschütz
Gittersee
Christusk.Strehlen
Leubnitz-N.
Prohlis
Himmelfahrtskirche
Stephanus-Kirche
St.Paulus
Lucas-Kirche

 

Part B:

Lutherkirche
Diakonissenhausk.
Dreikönigskirche
St.Paul
St.Petri
Franz-Xaver-K.
Markus-K.
St.Joseph
Apostel
Weinberg
Mickten
Christ.K. Klotzsche
Alte Kirche 
Rähnitz
 

Part C:

Wilschdorf
Hofkirche
Annenkirche
Matthäus
Friedensk.
Phillippus
Heilandsk.
St.Mar.
Übigau
Briesnitz
Kaditz
Gorbitz
 

Part D:

Trinitatis
Herz Jesu
Thomask.
Versöhnungsk.
Heilig-Geist-K.
Loschwitz
Weißer Hirsch
St. Hubertus
St.Michael
Bethlehem
Nazareth
 
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