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DER BLAUE VOGEL, 2007/2009

H. Johannes Wallmann: Reiner-Kunze-Zyklus - "DER BLAUE VOGEL" - Musik im Raum für Bariton und Kammerensemble zu Gedichten, Nachdichtungen und Texten von Reiner Kunze

Uraufführung im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie | Deutschlandfunk

27. 10. 2009 19.30 Uhr in Kooperation mit Deutschlandfunk, der Robert-Havemann-Gesellschaft sowie der Rusch-Stiftung. Gesamturaufführung (mit der Ensemble-Fassung von Satz 6): 25.11.2009 im Rahmen der "Hamburger Klangwerktage" | Kooperation mit NDR | Interpreten: Matthias Vieweg, Bariton; Klangwerkstatt Weimar (Andreas Schulik, Vl.1; Janina Gutierrez,Vl.2; Almut Bormann,Vla.; Christina Meißner,Vc.; Christoph Ritter, Klav.) Ltg.: Tom Rojo Poller

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Satz 1 - WIR SIND GAR NICHT GEMEINT

(Reiner Kunze / Ilse Aichinger)
 
Wir sind gar nicht gemeint,
gemeint ist, was an uns Licht gibt.

Satz 6 - DER BLAUE VOGEL

(von Jan Skacel, Nachdichtung von Reiner Kunze)

Über den wassern, ach, über den wassern
erhob sich ein vogel ins blau.
Keiner weiß, wie, keiner weiß, wann
der vogel sich über die wasser erhob,
über den drahtverhau.
 
Alle aber sahen
seinen schnabel,
sahn des vogels festen schnabel.
Alle aber sahen
seine krallen,
sahn des vogels scharfe krallen.
 
Alle aber sahen
seine augen,
sahn des vogels klare augen.
Alle aber sahen
seine federn,
sahn des vogels blaue federn.
 
Mit einemmal erblickten sie
die blauen augen der mutter.
 
Mit einemmal gewahrten sie
schiffe, schiffe, schnelle schiffe,
die zur freiheit, fern der riffe,
still das blaue wasser teilen.
 
Mit einemmal gewahrten sie
segel, segel, weiße segel,
 
die wie brot im mund, wie vögel
sich verlieren, die wie vögel
still im blauen uns enteilen.
 
Mit einem male sahen sie
tüchcr, tücher, blau gestickt,
mit blumen blau, zu haus gepflückt
im feld, mit blumen, die so schmerzen,
die so schmerzen, so sehr schmerzen,
aber alle wunden heilen.
 
Riefen alle nach dem vogel,
in die höhe nach dem vogel,
mit gewaschnen hemden
winkten sie dem vogel.
 
Wohin gehst du, blauer vogel,
klares wasser trinken ?
Sag, wo pickst du goldnes korn,
sag, wo schläfst du unterm dorn,
sag doch, sag doch, wo?
 

Sang der blaue vogel:

Wo die mutter euch gebar,
dorthin geh ich wasser trinken.
Dort, wo eure kindheit war,
pick ich goldnes korn,
schlaf ich unterm dorn,
dort zu haus, bei uns.
Riefen alle da von neuem,
riefen hoch hinauf von neuem,
winkten alle mit den hemden
lange da von neuem.
 
Fliege, blauer vogel, fort,
fliehe, fliehe diesen ort.
Unterm blau des himmels ziehe
hin am blau, die kugel fliehe,
flieh das blei.
 

Sang der blaue vogel: 

Ich fürchte nicht die schnelle kugel,
nicht das blei.
Eure mütter sandten mich.
Ob euch nichts im schlafe schreckt,
ob euch brot und segen weckt,
hießen sie mich fragen.
 
Riefen alle da von neuem,
riefen hoch hinauf von neuem;
winkten mit den hemden
lange da von neuem.
 
Grüße, vogel, grüß zu haus,
richte viele grüße aus.
Wir schlafen ein mit näglein besteckt,
wachen auf, vom brot geweckt,
vom brot, von brot und segen.
 

Sang der blaue vogel:

Warum kommt ihr nicht nach haus,
bleibt so lange aus?
 
Frühling ist's, der schnee zerrinnt,
auf dem weg zum meere sind
alle flüsse ... Aber ihr ?
 
Ließen sie die köpfe sinken,
ließen sie die arme sinken,
hielten ein, mit ihren hemden
hoch hinauf zu winken.
 
Kleiner vogel, flieg nicht fort,
komm herunter aus dem blau,
flieg herab, uns zu bedauern,
doch zu haus verschweig das trauern,
das du siehst im drahtverhau.
 

Hörte es der blaue vogel.

Wie ein stein fiel er zur erde,
wie ein schöner blauer stein,
wie ein blauer edelstein.
Wie ein stein fällt er zur erde,
wie ein blasser blauer stern,
lange, lange fällt er nieder,
federn schweben vom gefieder,
mit dem kopf, dem kleinen kopf,
schlägt er auf.
Mit dem schnabel auch,
dem festen schnabel,
schlägt er auf.
 
Mit den krallen auch,
den scharfen krallen,
schlägt er auf.
 
Mit den augen auch,
den klaren augen,
schlägt er auf.
Nur die federn,
nur des vogels blaue federn
schwebten lange.
 
Schwebten nieder aus dem blau,
blaue federn, blauer tau,
schweben in das gras und strahlen,
blauen auf dem stein, dem kahlen,
blauen aus dem sand, dem fahlen,
fädchen aus der wälder naht,
schweben hin am stacheldraht,
hin an türmen, am MG,
blaue federn, blauer schnee.
 
Lasen alle auf die federn,
nahmen sich die blauen federn,
banden in die hemden
sauber sich die federn.
 
Augen, ach, der mutter augen,
schiffe, schiffe, schnelle schiffe,
segel, segel, weiße segcl,
wasser, wasser, still geteilte,
 
blumen, blau gestickte blumen,
und die herzen, die zerrißnen,
blutenden, die blutenden.
 
Lasen alles in die bündel,
alle federn in die bündel,
und vergruben sie mit worten
traurig wie die bündel.
 
Dir war's nicht gegeben, vogel,
herzufliegen aus dem blau,
her in diesen drahtverhau,
kamst, barmherziger, ums leben,
wirst du jemals uns vergeben?
 

Schwieg der blaue vogel.

Satz 8 - AUSTRITT AUS DER AKADEMIE

„Sehr geehrter Herr Präsident, ich bitte Sie,
meinen Austritt aus der Akademie zur Kenntnis
nehmen zu wollen. Ich möchte jedoch betonen,
daß mir dieser Schritt schon heute für den Tag leid
tut, an dem die Akademie der Künste vornehmlich
wieder vom Geist der Künste inspiriert sein wird“.

(aus einem Brief Reiner Kunzes vom 2.2.1992 an den Präsidenten der Berliner Akademie der Künste)

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"denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, und von der Nothwendigkeit der Geister, nicht von der Nothdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen" (Friedrich Schiller)

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Rezensionen

 "starker Eindruck" - Berliner Zeitung, 29. Oktober 2009: "... Wallmann hat eine Art des musikalischen Fortgangs entdeckt, die man in Anlehnung an Schönbergs Begriff der Klangfarbenmelodie "Klangortemelodie" nennen könnte. Und die entfaltet er in höchst vielfältiger Weise ... Wallmanns Musik ist konzentriert und zielt ins Große, ohne den Hörer abzuweisen; sie nimmt ihn, schon indem sie ihn im Raum umfasst, in ihre Mitte, selten fühlt man sich als Hörer von einer neuen Musik so freundlich und ohne Anbiederung zum Zuhören eingeladen. In der Interpretation der Klangwerkstatt Weimar unter Leitung von Tom Rojo Poller und dem Bariton Matthias Vieweg hinterließ das starken Eindruck." (Peter Uehling)
 
"Besonders reizvoll" - Deutschlandfunk, 20.12.2009: "Besonders reizvoll in DER BLAUE VOGEL ist - neben den instrumentalen Passagen - das Spannungsverhältnis zwischen den Texten, die mit ihrer metaphorischen Bildkraft sehr wohl für sich selbst sprechen, und der Musik, die ihre eigenen Wege einschlägt. Gleichwohl spürte Wallmann den Worten sehr genau nach, wenn auch auf höherer Ebene. ... Überhaupt dominiert in Wallmanns Zyklus das Sachte, das klanglich subtil Ausdifferenzierte, was auch den Texten entspricht, die sich in der Musik niederschlagen, ohne dass sie tonmalerisch ausgeschmückt würden. Die Worte spiegeln sich im übertragenen Sinne in der Musik wieder, in reduzierten, auf Verinnerlichung zielenden Klanggeflechten, die eher andeuten, als breit ausführen." (Egbert Hiller)
 
"ein Werk von umwerfender Schönheit und tiefem Ernst" (Matthias Entreß, Autor der RBB-Sendung 31.3.2010, über den Reiner-Kunze-Zyklus von H.Johannes Wallmann)
 
„sich als Teil des Ganzen reflektierend“ - Fachzeitschrift „Positionen 82“, Mai 2010: „ ...Überhaupt misst Wallmann dem Hören und Musizieren im Raum eine besondere Bedeutung bei. Eine klangliche Umzingelung strebt er allerdings nicht an. Sein Ziel ist es viel eher, den Hörer sich als Teil des Ganzen reflektierend wahrnehmen zu lassen. Das ist ein krasser Gegensalz zu der gewöhnlichen, beobachtenden Position des Hörers ... Mit seinem neuen, großen Werk DER BLAUE VOGEL, einem fünfzehnteiligen Lieder-Zyklus nach Worten von Reiner Kunze für Bariton, Klavier und Streichquartett im Raum mit einer Gesamtdauer von achtzig Minuten, lockert Wallmann diese besondere Herausforderung. ... Gelichtet in ihrer Grundaufstellung und ins Private gewendet, geht nichts von Wallmanns großem Anspruch verloren und gewinnt eine warme, übersichtliche Klanglichkeit, deren Rätsel nicht endet und so die Aufmerksamkeit wachhäIt. Die Uraufführung fand am 27. Oktober 2009 im Kammermusiksaal der Philharmonie statt, dessen für normale Klavier- und Kammermusik äußerst schwierige Akustik diesmal in einer geradezu bezaubemden Weise zum Tragen kam. ... Der Blaue Vogel hat seine textliche Basis in der sorgfältigen Auswahl, die Wallmann aus Kunzes Bemerkungen über Liebe, Politik und Kunst getroffen hat. “Und darum ging es ihm auch ausdrücklich" zu zeigen, >wie eng Liebe, Kunst und Politik beieinander liegen und dass sie eigentlich nur Aspekte ein und derselben Sache sind<". (Matthias Entreß)

 Rundfunksendungen des Reiner-Kunze-Zyklus

. Deutschlandfunk, "Konzertdokument der Woche", 20.12.2009, eine Sendung von Dr.Egbert Hiller
. NDR-Kultur, 19.12.2009, eine Sendung von Hans-Heinrich Raab
. RBB-Kulturradio, 30.3.2010, eine Sendung von Matthias Entreß
. BR-Klassik, August 2013
. MDR-Figaro 3.10. 2013

weitere Aufführungen

25.11. 2009 im Rahmen der Klangwerktage Hamburg in Kooperation mit NDR Kultur und der Rusch-Stiftung auf Kampnagel, Internationale Kulturfabrik
15.6. 2011 in der Dreikönigskirche Dresden, Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Technischen Universität Dresden. Mit Matthias Vieweg, Bariton, und dem Ensemble "El perro andaluz" (Emily Yabe Vl.1; Alwyn Westbrooke, Vl.2; Sophie Gulde, Vla.; Nadeschda Krasnovid, Vc.; Torsten Reitz, Klav.), Ltg.: Lennart Dohms

Kooperationspartner und Sponsoren

Deutschlandfunk
NDR Kultur
Robert-Havemann-Gesellschaft
Klangwerktage Hamburg
Rusch-Stiftung
Konrad-Adenauer-Stiftung Dresden
TU Dresden

Über den Dichter und den Komponisten

Reiner Kunze (* 1933): Seine Biographie liest sich wie ein Stück deutsch-deutscher Geschichte: Er studierte Philosophie und Journalistik in Leipzig, musste aber nach politischen Angriffen 1959 die Universität verlassen, ohne seine Promotion beenden zu können. Nach Zerschlagung des Prager Frühlings gab Kunze sein Parteibuch zurück und es wurde für ihn fast unmöglich, noch in der DDR zu publizieren. Nach der Veröffentlichung von „Die wunderbaren Jahre“ 1976 in der Bundesrepublik kommt es zum endgültigen Bruch mit der DDR-Regierung, die mittels infamer Zersetzungsmethoden erneut massiven Druck auf ihn ausübt. 1977 siedelte er in die Bundesrepublik um. Reiner Kunze erhielt zahlreiche Literaturpreise, u. a. den Georg-Büchner-Preis. 1990 schreibt er die Dokumentation "Deckname Lyrik", die in Auszügen seine Akten des Ministeriums für Staatssicherheit wiedergibt. 1992 trat er aus der wiedervereinigten Berliner Akademie der Künste aus.
H. Johannes Wallmann (*1952): Schon als Weimarer Kompositionsstudent schrieb Wallmann „Drei Lieder nach Texten von Reiner Kunze“ und wurde kurz darauf von der Hochschule exmatrikuliert; sein später erworbenes Diplom enthielt man ihm (wie bei Wolf Biermann und Jürgen Fuchs) vor. Trotz vieler weiterer Schikanen ließ er sich nicht beirren und entwickelte sein künstlerisches Gesamtkonzept INTEGRAL-ART. Nach  massiven Zersetzungsmaßnahmen durch das MfS verschlechterte sich seine Arbeitssituation extrem und so stellte er 1986 einen kulturpolitisch begründeten Ausreiseantrag. 1988 in die Bundesrepublik übergesiedelt, konnte er viele seiner künstlerischen Ideen und Visionen realisieren. Tausende Menschen hörten seine Musik; zahlreiche  Rundfunkanstalten übertrugen sie live bzw. produzierten Sendungen. 2006 erfolgte die Veröffentlichung seines Buches „INTEGRALE MODERNE – Vision und Philosophie der Zukunft“ im Pfau-Verlag.

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Zu den Interpreten

Matthias Vieweg. Matthias Vieweg ist ein ausgezeichneter Bariton, der in besonderer Weise den hohen Anforderungen dieses Liederzyklus´ gewachsen ist. Matthias Vieweg studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Konzertexamen Gesang;  Aufnahme in die Stiftung Yehudi Menuhin „live music now“; 1998  1. Preis beim Richard-Strauss-Wettbewerb München; 2. Preis beim Internationalen Bachwettbewerb in Leipzig; Sonderpreis des MDR. Gegenwärtig nimmt er einen Lehrauftrag für Gesang an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin wahr.
Klangwerkstatt Weimar. "Ein Ensemble von Weltklasse" urteilte die Komponistin Adriana Hölszky, die zu den Fixpunkten in der Neue-Musik-Szene weit über ihr Land hinaus zählt.
El Perro Andaluz. Das Dresdner Ensemble gab 2010 sein Debüt bei den Dresdner Musikfestspielen und wird mehrere Projekte im europäischen Ausland realisieren können. 2011 wurde dem Ensemble der Kultur- und Förderpreis der Stadt Dresden verliehen.
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Zum Hintergrund der Komposition

„Biografie ist mehr als nur eine rein persönliche Angelegenheit“, sagte Joseph Beuys.  Angesichts dieser zutreffenden Feststellung lag es für mich nahe, diesen Zyklus zu schreiben. Denn schon während meiner Studentenzeit haben mich die Gedichte und Gedanken von Reiner Kunze in besonderer Weise angesprochen, weshalb  ich bereits 1972/73 (als Kompositionsstudent der Weimarer Musikhochschule)  „Drei Lieder nach Texten von Reiner Kunze“ schrieb. Kurz darauf wurde ich aus politischen Gründen von der Hochschule exmatrikuliert. Das war Realsozialismus konkret und machte mir einmal mehr klar, was es bedeuten kann, mit seiner Person für Gedanken und Ideen einzustehen. Reiner Kunze hat während der DDR-Zeit zahlreiche viel schwierigere Situationen auf bewundernswerte Weise gemeistert, bis ihm nur noch die Ausreise aus der DDR blieb, die er 1977 verließ.

Wenn nicht schon Schiller (im zweiten Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen) den Gedanken "Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit" formuliert hätte, würde sicher Reiner Kunze ihn formuliert haben. So trat er auch in der Wende-Zeit und nach der Wiedervereinigung vehement dafür ein, die DDR-Vergangenheit klar zu sichten und aufzuarbeiten, anstatt über sie das Tuch der Ignoranz breiten zu lassen. Denn Zukunft kann nur so gut gestaltet werden, wie Vergangenheit aufgearbeitet und wie aus ihren Irrtümern, Fehlern und Verbrechen gelernt ist. Kunzes mutige dokumentarische Bücher (wie „Die wunderbaren Jahre“, „Deckname Lyrik“,  „Am Sonnenhang“) sowie seine ästhetisch-philosophischen Betrachtungen sind daher von nicht minderer Bedeutung als seine Lyrik. Auch mit ihnen hat er sich als Künstler und Seismograph eines – auf hoher Sensibilität und Genauigkeit beruhenden – freiheitlichen, verantwortlichen sowie aufklärenden Denkens und Handelns ausgewiesen. Kunzes Einstehen, sein streithafter Mut, seine Aufrichtigkeit, sein philosophisch und ästhetisch orientiertes Verständnis von Kunst, seine Liebe und seine tiefe Achtung vor der Natur, seine - Situationen treffend bezeichnenden und wie Edelsteine fein ausgeschliffenen – lyrischen Metaphern (die ganze Felder von Assoziationen wachzurufen vermögen), sein hochsensibler Blick auf das Leben selbst sowie seine kompromisslos klare Sicht der DDR-Wirklichkeit haben Maßstäbe gesetzt und erneuert.

Es lag mir also aus vielen Gründen am Herzen, diesen Reiner Kunze-Zyklus zu schreiben. Ich würde  mich freuen, wenn die in ihm versammelten Gedichte, Nachdichtungen und philosophisch-ästhetischen Texte einen musikalischern Ausblick auf jene hohe gedankliche Kraft und Sensibilität bilden können, die  für die Zukunft dieses Landes bedeutsam sind und Reiner Kunze zu einem der bemerkenswertesten Lyriker des gespaltenen und wiedervereinten Deutschlands werden ließen.
H. Johannes Wallmann - Berlin, im Februar 2008      

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die 15 Sätze im Überblick

1.   

WIR SIND GAR NICHT GEMEINT (Reiner Kunze / Ilse Aichinger)
für Bariton, Klavier und Streichquartett

2.
WILDE ROSE
für Bariton, Klavier und Streichquartett

3.
ERSTE LIEBE
für Bariton und Klavier

4.
SENSIBlE WEGE
für Bariton, Klavier und Streichquartett

5.
ICH FRAGE (von Jan Skácel, Nachdichtung Reiner Kunze)
für Bariton und Streichquartett

6.
ERHOB SICH EIN VOGEL INS BLAU / ÜBER DEN DRAHTVERHAU  (Jan Skácel, Nachdichtung Reiner Kunze)

7.
DEN SAND AUS DEN AUGEN KRIEGEN (Reiner Kunze / Hugo von Hofmannsthal)
für Bariton, Klavier und Streichquartett

8.
AUSTRITT AUS DER AKADEMIE
für Bariton, Klavier und Streichquartett

9.
WAS IST POESIE? (von Vladimir Holan, Nachdichtung Reiner Kunze)
für Bariton und Klavier

10.
Was DAS KUNSTWERK ZUM KUNSTWERK MACHT
für Bariton, Klavier und Streichquartett

11.
MIT SEINER PERSON DAFÜR EINSTEHEN
für Bariton und Klavier

12.
WAS MAN EWIGKEIT NENNT (Reiner Kunze / Hans Georg Gadamer)
für Bariton, Klavier und Streichquartett
 
13.
RUDERN ZWEI
für Bariton, Klavier und Streichquartett

14.
AUF DICH IM BLAUEN MANTEL
für Bariton, Klavier und Streichquartett
 
15.
WIR SIND GAR NICHT GEMEINT(Reiner Kunze / Ilse Aichinger)
für Bariton, Klavier und Streichquartett
 

(Aufführungsdauer: ca. 85 Min.)

Subskription

Die Uraufführung des „Reiner-Kunze-Zyklus"  von H. Johannes Wallmann erhielt keine offizielle Finanzierung, daher konnten bis zum 15.4.2009 Eintrittskarten auf Subskriptionsbasis erworben werden. Wir bedanken uns bei allen Subskripenten, die mit Ihrer Subskription die Uraufführung des Werkes ermöglicht haben!
Subskription - schon bei Mozart: „Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) z.B. veranstaltete nach seinem Ausscheiden als angestellter Hofmusiker im Fürstbistum Salzburg 1781 als einer der ersten freiberuflichen Musiker der ernsten Musik kommerzielle Sinfonie-Konzerte (sog. "Akademien") auf Subskription. Das geschah in der Weise, dass er in Musikalien-Handlungen Subskriptionslisten auf seine kommenden Konzerte auslegte, in die sich diejenigen, die diese Konzerte besuchen wollten, eintrugen. Ob Mozart der erste war, der sich dieser Methode bediente, und ob nach ihm auch andere freie Musiker, etwa Ludwig van Beethoven, ihre Konzerte so veranstalteten, ist noch unerforscht. Ob diese musikalische Subskription nur unverbindliche Absichtserklärungen oder schon juristisch verbindliche Vertragsabschlüsse waren, ist ebenfalls noch nicht erforscht.“ 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Subskription -  Zugriff 19.3.2009)








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