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schilf in händen, 2007

schilf in händen - musik im raum für Flötentrio (2007) Dauer: ca. 21 Min. UA der Fassg. für 3 Querflöten: Solisten des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Ulf Dieter Schaaff, Rudolf Döbler, Markus Schreiter) | Neues Museum Berlin | 29.9. 2011 | Aufführungsmat. vorhanden | UA der Fassg. für Blockflöten: "les trois en bloc", Festival in der Alten Spinnerei Leipzig 2007 | Aufführungsmat. vorhanden

H. Johannes Wallmann: "Schilf in Händen - Musik im Raum für Flötentrio" (2007)

Ein Grundmythos der Musik: Als Pan nach Syrinx greift, fleht diese die Nymphen an, sie in Schilfrohr zu verwandeln. So hält Pan, als er nach Synrinx greift, statt der Person seiner Liebe und seines Sehnens nur Schilf in Händen. Doch der Wind streift über das Schilf und erzeugt leise Töne. Pan hört diese und wird davon ergriffen. Er bricht nun das Schilfrohr, stuft es fein ab und erzeugt auf der so entstandenen ersten Schilfrohrflöte gleich dem Wind, doch mit dem lebendigen Atem seiner Liebe, selbst leise Töne, durch die er Trost über den Verlust von Syrinx gewinnt. 

So anmutig tief das Bedürfnis nach Musik in diesem Mythos beschrieben ist, so wahr bezeichnet es auch die folgenreiche Erfindung von Musik. Im Kontrast zu den alten Kultinstrumenten, zu "Geräuschen dumpfer, brüllender, rasselnder Art", tritt nun mit der - aus Schilfrohr entstandenen - Flöte die wohlgeordnete Tonreihe hervor.

Die Komposition bezieht sich sowohl auf den Mythos um "Syrinx" (und das gleichnamige Stück von Claude Debussy) als auch auf "Density 21,5" von Edgar Varese. Auch Varese dürfte das Greifen des Schilfs im Kopf gehabt haben, als er sein Stück "Density 21,5" nannte. Heute greifen wir alle sozusagen in neues Material (bei Varese hieß es "Density  21,5"). Ist der Griff in "neues (musikalisches) Material" heute ein Griff, mit dem sich Liebe, Sehnen, Hoffen verbindet? Welches Unterpfand könnte (wie damals das Schilf in den Händen des Pan) heute Trost spenden oder vielleicht sogar - indem es neu geordnet wird - nicht nur die Bewältigung erlittener Verluste, sondern sogar neuen Lebens-Sinn ermöglichen? Ist Musik als Verbindung von Natur und Kultur ein Synonym für menschliche Gestaltungsfähigkeit? ... Wir alle sind vom Wind der Veränderung umweht, der neues Hören, Denken, Tun erfordert.

(H.Johannes Wallmann - nach Ovid, Ernst Bloch, Heinz-Klaus Metzger)

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