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KLANGFELDER 5 + 12 : Variationen für 2 Flügel

soundfields 5 - variations for 2 pianos // soundfields 12 - variations for 2 pianos

"KLANGFELDER 5 - Variationen für 2 Flügel" von H.Johannes Wallmann: 

Diese Art archaiche Musik gehört zu einer Serie von zwölf Klangfeldern für Klavier solo bzw. duo, wobei KLANGFELDER 5 mit einer Gesamtdauer von ca. 40 min. die bisher umfangreichste dieser Kompositionen ist. Die Kompositionsstruktur von KLANGFELDER 5 lässt die beiden Flügel verschiedentlich in ein pendelartiges Wechselspiel treten. Um dieses nachvollziehen zu können, sollen die beiden Instrumente möglichst vor und hinter dem Publikum positioniert sein, evtl. rechts und links neben dem Publikum. Die Komposition kann auch im Außenraum und in Landschaften aufgeführt werden, wobei die Flügel voneinander weitentfernt sein können. Dafür bedarf es i.d.R. jedoch elektronischer Verstärkung sowie für jeden Spieler eines Monitorings (was im Innenraum nicht notwendig ist). Das Publikum sollte - ob im Innen- oder Außenraum - in jedem Fall die Möglichkeit erhalten, beide Flügel etwa gleichstark aus verschiedenen Richtungen zu hören.

Die Kompositionsstruktur basiert sowohl auf dem von Arnold Schönberg postulierten 12-Ton-Gedanken (den man als "Alles-Gedanken" verstehen kann) als auch auf kombinierten Dreiklang-Strukturen, woraus sich Klänge bilden, die jenen von Olivier Messiaen verwandt sind. Diese leuchten z.B. allein schon durch das Wechselspiel der Dauern sowie der kleinen und großen Terzen in feinen unterschiedlichen Nuancen. Die beiden ca. 5-8-minütigen Kadenzen "aus leisen Gärten der Wildnis", die im äußersten pianissimo - und doch präzise - auszuführen sind (und in der mechanischen Sibelius-Ausspielung ca. bei min. 6:30 sowie ca. min. 19:00 fehlen), bilden dagegen - als eine Antwort auf John Cage - musikalische Selbstorganisationssysteme, die von den Pianisten vor allem "inside" zu realisieren sind. Dabei können kleine Nebeninstrumente (z.B. Metall-, Holz- und Filzschlägel) eingesetzt werden. Der experimentelle Charakter dieser beiden Kadenzen orientiert sich an der - in der Kadenz-Struktur eingearbeiteten - alten SATOR-AREPO-Formel (auf die sich schon Anton Webern bezog) und bildet quasi den Hintergrund auch für alle anderen Teile dieser Komposition. Der Schluss von KLANGFELDER 5 knüpft an Morton Feldman an, geht aber - mittels der Dauern- und Dichten-Kombinationen - deutlich über ihn hinaus.

Je nach den Gegebenheiten der Aufführung sind (gerade auch für die beiden Kadenzen) klanglich feinfühlige elektronische Bearbeitungen und Verstärkungen denkbar, die allerdings stets der Kompositionsstruktur sowie dem räumlich entfernten Wechselspiel der beiden Flügel entsprechen sollen.  Aus Gründen der unterschiedlichen Aufführungsmöglichkeiten sowie der quasi archaischen Grundstruktur sind die Angaben von Dynamik und Pedal-Gebrauch in der Partitur nur rudimentär. Den Aufführungsörtlichkeiten entsprechend können auch die Tempi angepasst werden. Eine Aufgabe der Interpreten besteht darin, die Interpretation der Komposition je nach Aufführungsumständen einzurichten.

Da in der mechanischen Ausspielung dieser Komposition durch "Sibelius 6" die beiden 5-8-minütigen Kadenzen nicht enthalten sind, fehlen hier leider ca. 10-16 Minuten sehr leise experimentelle Klänge. Auch entspricht das Mechanistische dieser Ausspielung keineswegs den Qualitäten und Anforderungen einer Live-Interpretation. Zumal diese mechanischen Ausspielung auch direkte Fehler produziert hat, sollte beim Anhören dieser Ausspielung stets die Partitur mitgelesen werden. 

Eine Live-Produktion des Werkes, die auch die beiden Kadenzen enthält, wird angestrebt.

"KLANGFELDER 12 - Variationen für 2 Flügel": 

Während in KLANGFELDER 5 kompositorische Ansätze und Gedanken aus der musikalischen Gegenwart verbunden werden, verfolgen die KLANGFELDER 12 den  "Alles-Gedanken", indem sie in sich Gegenwart und Vergangenheit  - hier einerseits durch Wallmanns Komposition und andererseits durch Bach und Chopin vertreten - miteinander verbinden. Dabei wird u.a. einer gewissen Verwandtschaft (Variation?) zwischen Bachs Präludium C-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier, Bd. 1, mit Chopins Etüde As-Dur nachgegangen. Zugleich kommen auch gewisse mechanistische Vorgehensweisen von Conlon Nancarrow zu Zuge. Dazwischen - wie ein statisches Gerüst "vergehender Zeit" - die verebbenden Achtel und Dreiklänge, die zueinander in Relation stehen. Das zu Beginn noch nur rudimentär hörbar werdende große 12-tönige Zirkulieren - wie ein "Malstrom" (Edgar Allan Poe) - nimmt zu und scheint früher oder später alles in sich zu vereinen und zu verschlingen. Doch immer wieder werden Bach und Chopin - die auch Teil des Zirkulieren sind - an die Oberfläche gespült. Im Nachspiel erreicht das 12-tönige Zirkulieren schlussendlich selbst eine gewisse hellere neue Klangqualität und Stabilität, die von den Tiefen nicht verschlugen wird.

Die räumliche Anordnung der beiden Flügel ist den Interpreten freigestellt. Sie kann wie in KLANGFELDER 5 gewählt, aber auch ganz normal - beide Flügel vorn auf der Bühne - gehandhabt werden.

Auch beim Anhören der mechanistischen Sibelius-Ausspielung von "KLANGFELDER 12" sollte aus besagten Gründen unbedingt die Partitur mitgelesen werden. Ebenso wie für KLANGFELDER 5 wird auch für diese Komposition eine Live-Produktion angestrebt.

"KLANGFELDER 6 - Musik im Raum simultan für 2 Flügel und Kammerorchester"

"KLANGFELDER 6 - Musik im Raum simultan für 2 Flügel und Kammerorchesterbesteht aus „KLANGFELDER 5“ für 2 Flügel sowie einer simultanen Aufführung von „Variationen 2 - aus leisen Gärten der Wildnis“ durch ein variables Kammerorchester. Das Kammerorchester kann variabel mit bis zu 16 Instrumentalisten besetzt werden. Und zwar so, dass der Kammerorchester-Part im äußersten pianissimo zu realisieren ist. Klavier 1 ist vor dem Publikum, Klavier 2 hinter dem Publikum zu positionieren, die Instrumentalisten des Kammerorchesters symmetrisch im Raum um das Publikum zu verteilen. Da es nicht ratsam ist, die gesamte Klavierkomposition durch dass Kammerorchester begleiten zu lassen, sollte der Part des Kammerorchesters in verschiedene Phasen unterteilt werden. Die unterschiedlichen Fermaten im Klavierpart bieten zahlreiche Möglichkeiten, den extrem leisen Part des Kammerorchesters hörbar werden zu lassen. Die Fermaten können dazu nach einer inneren musikalischen Logik ausgedehnt werden. Während der sehr schnellen – quasi atemlosen – Phasen der Klavierkomposition sollte das Kammerorchester i.d.R. pausieren. 

Die Kadenzen sind stets von den beiden Klavieren und dem Kammerorchester gemeinsam auszuführen. Die beiden Klaviere sollten die Kadenzen überwiegend inside ausführen, wobei sie elektronisch verstärkt bzw. bearbeitet werden können. 

VARIATIONEN 2 – aus leisen Gärten der Wildnis für variables Ensemble:  Diese Alea-Musik für variables Ensemble, die im Publikumsraum aufgeführt wird, bezieht sich auf die alte SATOR-AREPO-Formel. Wallmanns Deutung dieser Formel geht u.a. auf Erkenntnisse der Chaostheorie zurück, nach denen alle Erscheinungen des Seins als dynamische Prozesse zu betrachten sind (wenn sie auch in z.T. extrem unterschiedlichen Tempi verlaufen). So beruht die nonlineare Komposition von „Variationen 2“ auf der Verknüpfung und Entfaltung von 16 unterschiedlichen musikalischen Elementen. Diese befinden sich in 25 Feldern, denen Dauern und Tonhöhen zugeordnet sind. Einerseits werden aus jedem einzelnen der Elemente durch das Zusammenwirken der Musiker ausgedehnte – quasi monochrome - Klangorganismus gebildet und "zum Blühen" gebracht, andererseits entstehen "Gärten der Wildnis", wenn unterschiedliche Elemente gleichzeitig erklingen und im genau aufeinander bezogenen Spiel der Musiker miteinander verknüpft werden. Auf das Wechselspiel zwischen diesem einerseits und andererseits kommt es bei diesem Spiel, das im äussersten Pianissimo ausgeführt wird, an. Es geht dabei um das Ziel, die nonlineare Logik des Spiels in eine feldartige lineare musikalische Logik umzusetzen und dabei zu versuchen, der in der Partitur genannten Deutung der SATOR-AREPO-Formel gerecht zu werden. 

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