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moderabel 1 - in der Vorstellung eines blassen Mondes zu spielen , Fassg. für 4 Klarinetten

Dauer: 9 Min. | Rundfunkaufnahme: ClariNetWork, (Mitglieder "Ensemble modern", Ib Hausmann und Wolfram Große), Hessischer Rundfunk, Frankfurt/M. 1992 | Aufführungsmat. vorhanden

In der Vorstellung eines blassen Mondes zu spielen (moderabel 1) entstand 1978 nach der Lektüre von Wassily Kandinskys "Punkt, Linie, Fläche". Ausgangspunkt dieser Komposition ist ein flächiger Vier-Ton-Akkord, der sich innerhalb eines Tritonus (es´- a´) aus vier Ganztonschritten zusammensetzt. Dieser Akkod bricht punktuell mehr und mehr auf und lässt aus dem Zusammenspiel der einzelnen Töne eine farbige Klangfläche entstehen. Diese Klangfläche zieht sich nach einer kurzen Ausdehnung im 16. Takt urplötzlich auf das fis´ zusammen und gerinnt damit sozusagen zu einem Punkt. In der zweiten Phasen (ab Takt 21) wird der Tonraum durch auf- und absteigende Ganztonlinien wesentlich stärker als in der ersten entfaltet, stürzt aber im 32.Takt wiederum auf das fis´ zusammen, das nun nach kurzem Innehalten in die Oktaven und die Leere stiebt. In den folgenden dreimal 3-taktigen Phasen treten ab Takt 38 zu dem fis´ eine Reihe von Tritonus- und Quint- bzw. Quartschritten, die als Punkte die fis-Linie kontrapunktieren und (in Takt 42-44) der Stille verbunden einzeln zu hören sind. Ab Takt 50 verknüpfen sich diese Punkte zu einer Linie, die in Takt 63-68 in der ersten Stimme augmentiert auftritt. Nach dem Ende der Linie beginnt eine sich mehr und mehr exzesshaft steigernde Phase flächenartig linearer Entfaltungen, die im Moment der höchsten Steigerung und Entäusserung abrupt abbricht und zu dem um das Zentrum gelagerten Viertonklang des Anfangs zurückkehrt. Auf seiner Grundlage werden nun sowohl rhythmisch als auch klanglich kleine Netzwerke entfaltet, die sowohl das Prinzip des Punktes, als auch das der Linie und der Fläche in sich vereinen. Zum Ende der Komposition nehmen sie in einer fast choralisch zu nennenden Flächen-Satztechnik geschliffene Form an. Der Schlussakkord ist wie der Anfangsakkord, doch alle Stimmen sind untereinander diagonal vertauscht, wenn auch gleich weit von der Mitte entfernt. Die Überschrift der Komposition ist allein eine Spielanweisung an die Musiker, und hat keinen weiteren gedanklichen Hintergrund, als den, sich bei der Interpretation eines weiten, stillen und nur teilweise wahrnehmbaren Raumes bewusst zu sein. (Volker Straebel)

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