schweben und hören - von klang zu klang
SCHWEBEN UND HÖREN - VON KLANG ZU KLANG mit einer Wuppertaler Schwebebahn | Ein Klangprojekt von Johannes Wallmann, KLANGZEIT WUPPERTAL, 30.11.-5.12. 1991
Veranstalter und Kooperationspartner
Veranstalter: Kulturamt der Stadt Wuppertal, Sekretariat für gemeinsame Kulturarbeit in NRW, Stiftung für Kunst und Kultur NRW, Programm "Kaleidoskop" der Europäischen Union
Ein Moment des Abhebens
Ein Moment des Abhebens schwingt bei Fahrten mit der Wuppertaler
Schwebebahn ebenso mit, wie die Faszination des Flusses, über dem sie
entlanggleitet. Die Idee dieser Klanginstallation war es, das Gefühl
des Schwebens zu unterstützen und zugleich dem dynamischen Prozess
“alles fließt” zu entsprechen. Jedem der 18 Streckenabschnitte zwischen
den Stationen wurde eine eigene Tonhöhenskala zugeordnet, die jeweils
um eine Tonhöhe (plus deren Oktavierungen) zur Skala der
vorangegangenen und nachfolgenden Strecke unterschiedlich war. Dadurch
vollzog sich klanglich ein allmähliches Gleiten von einem zum anderen
Ende der ca. 17 km langen Gesamtstrecke der Schwebebahn, die so
zugleich zu einer Strecke der Klangerfahrung wurde. Drei Klangschichten
interagierten: Neben den erwähnten Grundklängen waren - entsprechend
der Dauernstruktur - jeweils 96 mögliche Varianten der 12 tageszeitlich
unterschiedlichen Modi sowie das durch einen Harmonizer verformte
Geräusch des Fahrtriebwerkes der Schwebebahn selbst zu hören. Die
Klänge und Modi wurden auf Grundlage der Tonhöhenskalen mit Hilfe eines
Synthezisers jeweils live kreiert und mit tageszeitlichen Varianten
sowie unter Einbeziehung von Zufallsoperationen durch den Computer live
gesteuert. Der Sound war so gewählt, daß er den verschiedenen
Eigenklängen und Geräuschen (Summen, Rauschen) der Schwebebahn ähnlich
war, sich aber doch deutlich aus diesen herauszuheben vermochte. Die
Klänge begannen jeweils erst nach dem Schließen der Türen, mit dem
Anfahren der Bahn und waren in ihrer Lautstärke eher zurückhaltend. Per
Quecksilberschalter, der auf starke Brems- und Anfahrvorgänge
reagierte, konnte der Fahrer zudem das Klanggeschehen beeinflussen.
Während des Projektzeitraumes kamen ca. 20.000 Schwebebahnfahrgäste mit
dem Projekt in Berührung. Viele Menschen warteten zum Teil Stunden, um
mit der Bahn fahren und das Projekt erleben zu können. Die am letzten
Tag spontan aufgenommenen Interviews belegen interessant die Meinungen
der Fahrgäste und die hohe Akzeptanz des Projektes.
Komposition und Künstlerische Leitung: Johannes Wallmann
Technische Leitung: Johannes Thor
Uraufführung: Wuppertal 30.11. - 6.12. 1991
Veranstalter: Kulturamt der Stadt Wuppertal in Kooperation mit den Wuppertaler Stadtwerken
Westdeutsche Zeitung, 2.12.1991
zu »schweben und hören« Klanginstallation in einer Wuppertal Schwebebahn von Johannes Wallmann: Der Schwebebahnfahrer wird zum Dirigenten
„Kaum haben sich die Türen der Schwebebahn geschlossen, dringen ungewohnte Töne durch die Bahn: Sphärisch und kaum zu definieren schwillt ein Ton an, nimmt langsam ab und mündet in melodische Klangfolgen. Unterschwellig und doch präsent sind die Klänge, die Schwebebahnfahrer in dieser Woche im Wagen Nummer 23 während der Fahrt hören können. ... „Eine Verbindung von Kunst, Technik und Lebensalltag”, verrät Johannes Wallmann, Ideengeber und Komponist ... .“
Sonntagsblatt, 15.12.1991
zu »schweben und hören« Klanginstallation in einer Wuppertal Schwebebahn von Johannes Wallmann: „Neun Tage lang hatte Musikhören in Wuppertal zwei besondere Voraussetzungen: zum einen, daß man gerade den Zug Nummer 23 dieser traditionsreichen Bahn erwischte, und zum anderen, daß man sich durch die dort bis zum 8.Dezember zu hörenden Klänge aufstören und sie wirken ließ. ... nicht zuletzt zog der zum Klingen gebrachte konkrete Zeuge technologischer Entwicklung, die Schwebebahn, den Hörer in Klangwelten mit, die fast kosmische Erlebnisse suggerierten.“

