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Faustus-Mephisto-Dispute, 2007

H. Johannes Wallmann: Neue Faustus-Mephisto-Dispute // Produktion NDR-Kultur 2007 (in der Sendereihe "Kleine Schule des musikalischen Hörens")

Neue Faustus-Mephisto-Dispute über das Brahms-Requiem und das Glocken Requiem XXI von H. Johannes Wallmann

Ausschnitt 1:

Sprecherin 2:  „Solange die ganze Menschheit keine Metamorphose durchläuft, wird Krieg wüten und alles, was gebaut, gepflegt und gewachsen ist, wieder abgeschnitten und vernichtet.“

Sprecherin 1: Mit diesem Text von Anne Frank, die durch Deutsche von Amsterdam nach Auschwitz deportiert und in Bergen-Belsen umgebracht wurde, beginnt das Glocken Requiem XXI von Johannes Wallmann.

... 

Mephisto: Metamorphose und Zukunft, dass ich nicht lache! Ich habe mir nicht nur erfolgreich den Nationalismus an Land gezogen, ich habe nicht nur schlagkräftige Militärtechnologien entwickelt,  sondern euch auch Methoden gelehrt, die zu einer allmählichen Umweltkatastrophe führen. Zudem arbeite ich daran, alle Religionen aufeinander zu hetzen. Du wirst deshalb mit deiner Zukunft nicht mehr weit kommen. 

Faustus: Wie sagtet Ihr, Mephisto, mit Goethes Hilfe vor etwa 200 Jahren?

Mephisto: Ja, ja ich weiß schon. Ich bin „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". - Aber seid Euch mal nicht so sicher. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung habe ich bald endgültig gewonnen hier auf Erden

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Ausschnitt 2:

Sprecherin 2: „Durch Synthese werden  Informationen und Strukturen auf ihren gemeinsamen Zusammenhang angesprochen und zu einem Ganzen vereint.“

Mephisto: Der Teufel liegt im Detail, nicht im Ganzen!

Faustus: Es war schon immer Eure Praxis, mittels der Details das Ganze zu einem Kaputten zu machen!

Mephisto: Hast du was dagegen zu setzen?

Faustus: Zum Beispiel diese beiden Requien.

...

Ausschnitt 3:

Mephisto: Ihr werdet ganz allein und verloren sein am Rande dieses riesigen Universums, wenn es für euch die traditionellen Gottesvorstellungen und mich nicht mehr gibt, Faustus!

Faustus: Wir werden nicht allein sein, denn dem Weltall wohnt neben dem Chaos universelle Intelligenz und hohe Ordnung inne. Man braucht nur einmal in den klaren Nachthimmel zu schauen, dann kann man dessen gewahr werden. Die Naturwissenschaften versuchen,  diese hohe Ordnung zu entschlüsseln, auch wenn ihnen dies nur in immer weiteren Annäherungen gelingen kann. In den beiden Requien, die wir heute abend hören, wird diese hohe Ordnung metaphorisch u.a. mit „Herr“ angesprochen. 

Mephisto (stöhnt): Ich hätte mich nie verleiten lassen sollen, Dich hierher einzuladen!

Faustus: (geht nicht darauf ein) Die eigentliche Idee „ewigen“ Lebens und des Nachdenkens über den Tod liegt aber nicht da oben im Nachthimmel, sondern darin, hier auf der Erde dafür zu sorgen,  dass die Lebenskette zwischen gestern, heute und morgen nicht zerreißt.

Mephisto: Das ist doch von vorgestern, was du hier erzählst. Wo bliebe dann eure Freiheit?

Faustus: Sie entstünde genau dadurch.

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"Kunst - eine Tochter der Freiheit?" - Symposium in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin 20.-22. 11. 2015

 

 

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