Biografie
*1952 Leipzig; aufgewachsen in Dresden; Kompositionsstudium in Weimar (bei G. Lampe); kunstphilosophisches Training bei dem Maler/Entwerfer K.W. Streubel; Meisterschüler für Komposition an der AdK Berlin (bei F. Goldmann); 1973-1979 Orchestermusiker in Meiningen und Weimar; 1975-86 Initiator und künstlerischer Leiter der "gruppe neue musik weimar"; ab 1977 Entwicklung von INTEGRAL-ART und INTEGRALE MODERNE; 1986/88 kulturpolitisch begründeter Ausreiseantrag und DDR-Ausreise; 1990-1993 Initiator und Künstlerischer Leiter der internationalen BAUHÜTTE KLANGZEIT der Stadt Wuppertal; 1995 wieder zurück nach Berlin; 1996-2000 Mitglied der interdiszipl. Künstlergruppe KrypTonale. Kammer- und Orchestermusik, Realiserung umfangreicher INTEGRAL-ART-Projekte, Landschaftsklang- Kompositionen, musikalische Kombinationsspiele, Klangkunst. Zahlreiche Rundfunk- Liveübertragungen, Aufnahmen und Sendungen. Lehraufträge im Fachbereich Architektur an verschiedenen Hochschulen; intensive kompositorische sowie kultur- und kunstphilosophische Arbeit für eine neue Einheit von Mensch und Natur (Theorie als höchstkomprimierte Form möglicher Praxis). Buchveröffentlichung „INTEGRALE MODERNE – Vision und Philosophie der Zukunft“ (PFAU-Verlag, 2006). 2009 Buchveröffentlichung im Kulturverlag KADMOS: "Die Wende ging schief - oder warum Biografie mehr als eine rein persönliche Angelegenheit ist".
Chefdramaturg Klaus Burmeister im Programmheft der Dresdner Philharmonie vom 17./18. Mai 2003 über H. Johannes Wallmann:
"Johannes
Wallmann ist – wie man so sagt – ein unangepaßter Mensch, jedenfalls
einer unserer Zeitgenossen, dem es keineswegs gleichgültig ist, was um
uns herum passiert. Als Komponist ist er keiner, der sich festgelegt
fühlt, auf eine einmal bestimmte Weise zu arbeiten. Er erprobt und
ersinnt Neues und lässt in seiner Arbeit keinen Stillstand zu. Und er
versteht es, seine utopisch erscheinenden Ideen tatsächlich zu
verwirklichen.
In Leipzig geboren, verbrachte er seine Kindheit und
früheste Jugend in Dresden, studierte in Weimar Musik und fand dort
eine erste künstlerische Heimat. Seine Kindheit war durchdrungen von
Musik. Das trug ihn durch schwere Zeiten. Schon als Student fand er
Interesse an ungewöhnlichen Kompositions- und Aufführungsverfahren, an
Wegen, die von den gewohnten abweichen. Das machte ihn den DDR-Behörden
verdächtig, und er mußte bereits mit 21 Jahren erleben, was es heißt,
andere Auffassungen zu vertreten, als die der real-sozialistischen
Dogmen. So wurde sein Musikstudium vorzeitig beendet, denn wer sich
nicht einpassen wollte, wurde ausgesondert. Für zwei Jahre ging er nach
Meiningen als Orchestermusiker und war zwischen 1975 und 1979 Mitglied
der Staatskapelle Weimar. Hier gründete er 1975 die gruppe neue musik weimar,
die er bis 1985 leitete. Ein Ensemble, das sich bald einen Namen über
die engen Stadtgrenzen hinaus machte und in den Musikzentren der DDR
wegen seiner nonkonformistischen künstlerischen Haltung für Aufsehen
sorgte. 1976 begann Wallmann ein kunstphilosophisches Training bei dem
Gothaer Maler und Entwerfer Kurt W. Streubel, der einst die Formalistenrente
bezog und selbst ein Ausgegrenzter war. Diese Verbindung führte zu
intensiven philosophischen Auseinandersetzungen u.a. über Parallelen
und Verknüpfungen zwischen Bildender Kunst und Musik. Im Ergebnis
daraus entstand in enger Zusammenarbeit Synopsis – Musik im Raum für Kammerensemble zu Diaprojektionen von K. W. Streubel.
Bei einigen DDR-Musikverlagen angesehen und mit mehreren Werken in
deren Katalogen vertreten, erhielt Johannes Wallmann die Möglichkeit,
1980/81 Meisterschüler für Komposition bei Friedrich Goldmann
(Ostberliner Akademie der Künste) zu werden. Trotz des Hanns-Eisler-Preises
(1980) begannen 1981 für ihn verstärkte kulturpolitische
Auseinandersetzungen mit Kulturverantwortlichen der DDR, woraus sich
Behinderungen seiner künstlerischen Arbeit ergaben. Dennoch ließ er
sich nicht beirren und begann damit, sein künstlerisches Gesamtkonzept
INTEGRAL-ART zu entwickeln. Die 7 Domänen von INTEGRAL-ART zielen auf
das integrale Zusammenwirken der Künste, u.a. auf die Verbindung von
avancierter Kunst und Lebensalltag im öffentlichen Stadt- und
Landschaftsraum. Um die Umsetzung dieses Konzeptes zu erreichen,
stellte er 1986 einen kulturpolitisch begründeten Ausreiseantrag, dem
schließlich 1988 stattgegeben wurde. Nach der Übersiedlung nach
Westdeutschland nahm Wallmann mit der Gründung und Leitung der BAUHÜTTE
KLANGZEIT WUPPERTAL die Realisierung seiner Integral-Art-Ideen in
Angriff. So entstand unter seiner Leitung mit KLANGZEIT WUPPERTAL das
erste internationale Festival Deutschlands für landschafts- und
architekturbezogene Künste im öffentlichen Stadt- und Landschaftsraum.
Im Rahmen dieses Festivals konnte Wallmann auch seine
live-elektronische Klanginstallation (Schweben und Hören – von Klang zu Klang,
1991) für eine Wuppertaler Schwebebahn realisieren; ein Projekt, das er
urspünglich für die Ostberliner U-Bahn konzipiert hatte. Seit 1992
übernahm er verschiedene Lehraufträge im Fachbereich Architektur zu
Themen wie Die Stadt als Klangraum oder Akustische Öklogie. 1995 zog Wallmann wieder zurück nach Berlin, und 1995 wurde auch sein GLOCKEN REQUIEM DRESDEN
(eine Stadtklang-Komposition für 129 Dresdner vernetzte Kirchenglocken)
uraufgeführt und live durch MDR, Deutschland-Radio, BBC übertragen.
Andere Klangprojekte folgten. So beispielsweise 1996 KLANG FELSEN
HELGOLAND – eine Landschaftsklang-Komposition (Liveübertragung durch
NDR 3), 1997 INNENKLANG – Musik im Raum für vier Orchestergruppen und Soprane im Berliner Dom (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Liveübertragung durch DeutschlandRadio) oder auch 1997 Transforma – Musik im Raum für fünf Soprane (nach St. Mallarmé), geschrieben für einen Alten Berliner Wasserspeicher.
Ganz seiner eigenen Kunstsicht entsprechend, hatte Johannes Wallmann
sich für einige Jahre (1996 – 2001) der Künstlergruppe Kryptonale
(Berlin) angeschlossen, die raumbezogene Künste zusammenführt und
Aufführungen von Konzerten, Tanz, Performances, Klanginstallationen
organisiert. Von 1997 bis 2002 verfolgte er die Realisierung seines
Projektes INNENKLANG-AUSSENKLANG, das artifizielle Klänge mit natürlich
oder zivilisatorisch vorhandenen Klängen live verbinden sollte. Im Juli
2002 erfolgte an zwei Abenden durch DeutschlandRadio die Ursendung
dieses Projektes, das auf Grundlage von INNENKLANG verwirklicht wurde,
mangels Finanzierung allerdings nur in einer virtuellen Gesamtfassung
zu realisieren war. Bei all dem Ungewöhnlichen hält Wallmann auch nach
wie vor der detaillierten kammermusikalischen Komposition die Treue. So
entstand eine CD musik als raum mit Aufnahmen von WDR, SFB, HR,
SR, DeutschlandRadio. Mit dieser CD unterstreicht Wallmann, dass Musik
selbst als Raum zu verstehen ist und Kompositionen musikalische Räume
bilden.
Im Jahr 2003 sind neben intars 2138 zwei weitere Uraufführungen von Johannes Wallmann zu hören: am 27. April in der Dresdner Kreuzkirche die Uraufführung von SYN 4 – Musik im Raum für Streichquartett und Grafikprojektionen nach dem Holztiefdruckzyklus Großer Gesang der Bäume von Hans Georg Anniès, sowie vom 29.6. bis 5.10. die Licht-Klang-Landschaft der grüne klang im Park von Bad Berka."
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